Hoch lebe der 1. Mai!
Der Bundeskanzler erklärt; den Sozialstaat könnten wir uns nicht mehr leisten. Zugleich ruft er die Jugend zu den Waffen. Was sollen Soldaten verteidigen, wenn nicht den Sozialstaat?
Immer die gleichen Journalisten fragen die immer gleichen Politiker, die in wechselnden Koalitionen an der Macht sind, was sie tun wollen, damit das marode Land wieder auf die Füße kommt. Sie schreiben, die Wählenden seien bereit, Opfer zu bringen. Sie erwarten schmerzhafte Einschnitte. Ihre Kommentare haben etwas Masochistisches.
Von der Politik komme nur klein-klein, klagen sie: die Zuckersteuer, das Ehegattensplitting, Erleichterungen für Autofahrer.
Warum beschließen die Gewählten nicht die Bürgerversicherung, in die alle Einwohner einzahlen? Sie könnten 92 Krankenkassen dichtmachen und beschließen, dass in der übrig gebliebenen Krankenkasse die Verwalter von Beiträgen, die sich wie Manager bezahlen lassen, wie Verwalter bezahlt werden.
Aber dann handelten die 630 Abgeordneten gegen ihre Interessen. Jetzt betrifft sie nichts von dem, was sie an Zumutungen beschließen. Sie sind keine Kassenpatienten, sie sind keine Leiharbeiter, sie tragen keine Verantwortung für einen Handwerksbetrieb, sie werden nie auf Bürgergeld angewiesen sein. Ihre Kinder werden an keine Front geschickt.
Am Ende der Koalition und vor den Neuwahlen, bei denen die Wählenden zwischen Maßnahmen für ein Weiter-so entscheiden dürfen, sind die Reichen wieder reicher geworden und die Armen wieder ärmer.
Soll noch mal jemand klagen, unsere Politiker seien untätig.
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