Stefan Moes , Schreibtischler


 

So kam ich unter die Deutschen.

 

Barbaren von Alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und

selbst durch Religion barbarischer geworden,

tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark [...]
Es ist ein hartes Wort, und dennoch sag' ichs, weil es Wahrheit ist:

ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen.

 

Handwerker siehst du, aber keine Menschen,

Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen,

Herrn und Knechte, Jungen und gesezte Leute, aber keine Menschen -

ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme

und alle Glieder zerstükelt untereinander liegen,

indessen das vergoßne Lebensblut im Sande zerrinnt?


 

Kollektive haben eine Seele. So kann - egal welcher Trainer sich an ihr versucht und aus welchen Weltgegenden die Spieler stammen - die Mannschaft von Borussia Dortmund nicht aus ihrer Haut. Auch die Deutschen scheinen, seit Friedrich Hölderlin vor 224 Jahren ihr Wesen beklagte, im Tiefsten unverändert.

 

Ich bin einer von ihnen und kann froh sein, dass Deutsch zu sein nur eine Facette meiner Persönlichkeit ist. Darin unterscheide ich mich nicht von anderen Deutschen. Gänzlich unerträglich sind diejenigen unter uns, die nichts sein wollen als ein Glied des Volkskörpers. Wenn Sie bei diesem Wort zusammenzucken, wissen Sie, was ich meine. Fassen Sie sich. Und hoffen Sie mit mir, dass noch alles gut wird. Auch für den BVB.

moes@hamburg.de

Nehmen Sie Platz. Es sitzt sich nirgends bequemer als zwischen allen Stühlen.

Foto: Tara Wolff, Hamburg