Über Kriegsspiele
Wenn man zeigen will, dass ein Krieg führbar ist, muss man es so machen, wie die Bundeswehr bei ihrem Manöver Red Storm Bravo in Hamburg im Herbst 2025. Man übt in kleinen Gruppen innerhalb einer Behörde, eines Krankenhauses oder einer Firma.
Die Szenarien sollten nicht allzu komplex sein. Die Teilnehmenden dürfen nicht den Eindruck bekommen, der Situation nicht gewachsen zu sein. Insbesondere sollte nichts die Frage provozieren, wie
Hamburg nach der militärischen Verteidigung aussehen wird.
Was haben Manöver wie dieses mit der Realität
zu tun? Nicht sehr viel. Die Realität hält sich nicht an die Drehbücher der Schreibtisch-Strategen. Wir beobachten eine Revolution in der Kriegsführung. Drohnen lösen die Fronten auf und greifen
überall Ziele an. Der nächste Krieg wird also – das ist so gut wie sicher – anders als die Militärs ihn planen. Sie müssten sich fragen lassen, was Notstromaggregate und Trinkwasservorräte für
sieben Tage nützen, wenn der Krieg acht Tage lang dauert.
Wer bis 1989 mit Soldaten der Bundeswehr sprach (ich tat das einige Male), erfuhr, die Bundesrepublik sei nur um den Preis ihrer Vernichtung zu verteidigen. Also gar nicht. Daran hat sich nichts
geändert.
Mich wundert, wie demütig Menschen die Militarisierung aller Lebensbereiche hinnehmen. Wie selbstverständlich sie bereit sind, in drei Jahren kriegstüchtig zu sein. Wie wenig ihnen das Leben ihrer Kinder wert ist. Wie wenig Fragen sie
stellen.
Kommentar schreiben