Über die Aufarbeitung der Coronazeit
Franz war bei Freunden zum Mittagessen. Danach kamen sie ins Reden über Corona. Lebensgemeinschaften wie die in Klein Jasedow und Kaufungen hätten geschafft, was der Staat noch nicht einmal anstrebte, die gegenseitige Achtung der Entscheidung von Geimpften und Nichtgeimpften, erzählte Bertram. Sie konnten und wollten auf niemanden verzichten.
Von den Unternehmen der Gesundheitswirtschaft, für die Franz gearbeitet hatte, unterschied sie die praktizierte Toleranz, die auf der Annahme basiert, ein anderen Verhalten angesichts der Pandemie, ändere nichts am solidarischen Miteinander, sondern sei die Voraussetzung für das Zusammenleben in der Kommune.
Sorge über den bröckelnden gesellschaftlichen Kitt vortäuschend, erklärten damals Politiker, Kirchenfürsten und Medien: wir müssen miteinander reden, erinnerte sich Jette. Allerdings nur, um die Kritiker umzudrehen. In ihrer nicht zu übertreffenden Seichtigkeit verklärten die Kirchen die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, zum Akt der Solidarität, lästerte Franz.
Die gegen das Virus gerichteten Maßnahmen liessen sich auch als Kampfansage an die sprechende Medizin werten. Das würde die wütenden Angriffe gegen die Homöopathie erklären. Die Vertreter der evidenzbasierten Medizin, die uns weismachen wollen, Roboter könnten in der Krankenpflege Menschen ersetzen, begriffen wahrscheinlich gar nicht die Vielschichtigkeit der Maßnahmen, die in anthroposophischen Kliniken entwickelt wurden, um den erkrankten Menschen gerecht zu werden. Sie träumen stattdessen von standardisierten Behandlungskonzepten, die die Buchführung erleichtern. Die zeitgemäße Leitung eines Krankenhauses unterscheide sich nicht vom Management einer Dosenfabrik, urteilte Franz.
Hier wie dort ist alles Ware. Aus Geld mehr Geld zu machen, das eigentliche Ziel jeder ökonomischen Entscheidung. Daran ändern Ethikräte nichts. Sollten wir alle Hoffnung fahren lassen, wenn sie
auftreten? Es sieht so aus, als sähen es als ihre Aufgabe, Rechtfertigungen für Maßnahmen zu liefern, die nicht zu rechtfertigen sind.
Kommentar schreiben