Über das Echtsein
An einem Januarabend wartete Franz vor dem Dortmunder Hauptbahnhof darauf, abgeholt zu werden. Er war fast eine Stunde zu früh am Treffpunkt. Zeit genug, um das Treiben der Drogenszene in und außerhalb der Bahnhofshalle zu beobachten. Noch nicht einmal in Hamburg sah er so viele Junkies herumschleichen, Dealer treffend, Reisende anbettelnd.
Eine Zeit lang nahm er eine Frau wahr, die ihn in gehörigem Abstand umkreiste. Plötzlich kam sie direkt auf Franz zu. Wie eine Drogenabhängige wirkte sie nicht. Aber Franz glaubte, einen Glanz in ihren Augen zu sehen. Sind Sie Helge Schneider?
Nein, erwiderte Franz. Er komme aber auch aus Mülheim an der Ruhr und kenne Helge vom Sehen. Sie schien ihm nicht zu glauben. Wir sind fast gleich alt, aber ich sehe anders aus, versicherte Franz.
Die Frau betrachtete ihn gebannt, dann sagte sie verschwörerisch: Sie sind Helge Schneider. Darf ich? Ehe Franz antworten konnte, berührte sie seinen Oberarm, lächelte ihn an und verschwand im Bahnhof.
Franz malte sich aus, wie sie in ihrem Freundeskreis von der Begegnung mit dem großen Clown berichtete. Die kurz aufblitzende Idee, Helge um ein Honorar anzugehen, verwarf er sogleich. Das Wissen, ohne sein Zutun diesen Menschen glücklich gemacht zu haben, schien ihm Belohnung genug.
Da hörte er aus der Bahnhofshalle die geölte Stimme einer KI: Der ICE nach Hamburg Altona hat heute 270 Minuten Verspätung und fällt aus. Verantwortlich sind Eis und Schnee. Wir bitten um Entschuldigung.
Niemals, rief Franz. Da kam schon sein Date auf ihn zu. Lachend und pünktlich.
Dieser Text entstand unter Zurhilfenahme von Humaner Intelligenz (HI) und kann Fehler enthalten.
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