Lerne lachen, um nicht zu weinen

Was Ottfried Fischer mich lehrte

Als Ottfried Fischer Ulrich Wickert als Präsident der Parkinsonstiftung ablösen sollte, las er ein Infoblatt über die Krankheit und fiel aus allen Wolken: „Diese Krankheit habe ich.“ Parkinson schleicht sich unbemerkt ins Leben, setzt sich dort fest und geht nicht mehr weg. In der Reihe „Lebenslinien“ des Bayrischen Rundfunks portraitiert Manuela Ruppert den Schauspieler und Kabarettisten, der 2008 als 55-Jähriger seine Parkinson-Erkrankung öffentlich machte.

 

„Den Menschen gefällt es, wenn man gegen sein Schicksal angeht. Aber die Aufträge bleiben aus.“ Fischers sarkastischer Humor spricht mich an. Ich weiß noch, wie ich auf der Terrasse eines Allgäuer Hotels sitzend - mit frischer Diagnose - ein Interview mit ihm in der Süddeutschen Zeitung las. Ich hatte gerade meine Werkstatt für Satz- und Möbelbau „möbel & texte“ gegründet. Nicht aufgeben: du hast keine Chance, nutze sie. Diese Haltung habe ich mir von dem schwergewichtigen Bayern abgeschaut.

 

Parkinson zwingt zur Langsamkeit. Der Geist ist unverändert aktiv, aber die Umsetzung dessen, was man noch will, gelingt nicht mehr. Ob das eine Radtour ist oder eine berufliche Herausforderung. Alles braucht mehr Zeit. Das ist schwer zu akzeptieren. Ich schrieb eine Zeit lang, als ginge es um mein Leben (es ging um nichts anderes). Seit zwei Jahren muss ich zunehmend mehr Zugeständnisse an Parkinson machen. Dann sitze ich einfach rum und sinniere vor mich hin. Dabei falle ich schon mal vom Stuhl.

 

Ottfried Fischer singt gegen den Verlust der Stimme an. Ungeschützt setzt er sich der Kamera aus. So beginnt das Feature. Wenn man sieht, wieviel Kraft ihm das Singen abverlangt, wie tapfer er durchhält: das ist rührend und ruft Bewunderung hervor. Ottfried Fischer ist Profi - mit und ohne Parkinson.

 

Seine Ehefrau ist ständig um ihn. Gut, wie sie das macht. Sie lässt durchblicken, wie hart der Alltag sein kann. Wie sehr sie kämpfen muss, um nicht unterzugehen. Wie abhängig sie von professioneller Unterstützung ist. Ohne Liebe wäre diese Fürsorge nicht möglich, sagt sie. Sie hat Recht. Ich weiß es aus Erfahrung.

Wie alles anfing

 

2005 spüre ich erstmals leichte Schmerzen im rechten Arm. In sechs Jahren häufen sich die Leiden. Die Ärzte finden nichts. Falls ich mal sterben sollte, dann an einer eingebildeten Krankheit. 2011: Rien ne va plus. Ich steige aus, beginne eine Tischlerlehre. 2013: Gesellenbrief und die Diagnose Parkinson. Zurück auf dem Boden der Tatsachen.

 

2014 gründe ich möbel & texte, die Werkstatt für Satz- und Möbelbau in Hamburg Altona. Wir bauen ein paar schöne Möbel. Fast sechs Jahre mache ich Öffentlichkeitsarbeit. Die Diakonie ist meine größte Kundin. Sechs Jahre zum Ende meiner Berufstätigkeit als Dozent für, Fernsehjournalist für den Pressereferent, Schreibtischler - ein Geschenk.

 

Manch einer nimmt die Herausforderung an, wird gleich Parkinson-Experte in eigener Sache. Ich wollte nach der Diagnose vor allem Normalität; verschob das Kranksein gewissermaßen. Und siehe da: Parkinson lief nicht weg. Seit Januar 2021 verfolge ich mein parkinsonprojekt. Ob es gelingen wird, hängt auch von Ihnen ab. Melden Sie sich bei mir.


Kranke stolpern über Hindernisse, die Gesunde nicht einmal wahrnehmen. Wenn sie die Behinderung als Erweiterung ihrer Perspektive begreifen, können sie sich behaupten - listig und jederzeit bereit, lästig zu werden.

 

Wer die Welt gebeugt durchquert, sieht erst spät, was auf ihn zukommt. Er verlässt sich auf die Weitsicht und die Rücksichtnahme der aufrecht Gehenden. Kein Problem: die meisten Menschen sind entgegenkommend.

 

parkinsonprojekt lernt das Denken bei Bazon Brock: Hinter jedem gelösten Problem tun sich zwei neue auf. Innerlich kerzengrade verteidigen wir Artikel 1 des Grundgesetzes. Wir wissen: die Würde des Menschen ist antastbar.