Über das Verschwinden und die Wiederkehr des Krieges
Die Knechte des Krieges müssen umdenken. Bis jetzt verkaufen sie uns ihre gigantischen Ausgaben für das, was sie leichte und schwere Waffen nennen, als notwendige Aufrüstung, mit der Feinde von der Idee abgebracht werden, uns anzugreifen. Davon profitiert die Rüstungsindustrie, die zu horrenden Preisen Waffen produziert, die den Zweck haben, in den Arsenalen zu verrosten.
Der Plan der Bellizisten wird nicht aufgehen. Auch wenn sie das Gegenteil behaupten, das System der Abschreckung funktioniert nicht. In Europa führte es während des Kalten Krieges zu schrecklichen Kriegen in Korea, Vietnam, Asien und Afrika.
Findige Militärs arbeiten seit Jahren an Konzepten, die begrenzte Atomschläge ermöglichen. Wer will es ihnen verdenken? Das Leben verlangt mehr als Siege in begrenzten Manövern. Auch die für den großen Knall nötigen Waffen sind bestellt. Langsam dämmert den verhinderten Praktikern des mass killing, vieles, was sie planen, können sie in die Tonne treten. Drohnen und die Digitalisierung der Waffensysteme revolutionieren den Krieg.
Am 14. Juli 2026 überlegte der Militärhistoriker Herfried Münkler in der Süddeutschen Zeitung, welche Folgen die amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran für die zukünftige Kriegführung haben. Er stellt fest, Kriege würden nicht mehr erklärt. Damit entfalle die Trennung von Kriegs- und Friedenszeiten. Konflikte beginnen demnach auf einer niedrigen, polizeilichen Ebene: zum Beispiel mit Drohnenattentaten auf Feinde, die ohne Prozess hingerichtet werden.
Professor Münkler ist sicher: Frieden wird es nicht mehr geben. Uns droht ein nicht endendes low Warfare. Der Krieg kriecht in unseren Alltag. Als ich seine Theorie gestern in einem Café sitzend las, fiel mir George Orwell ein, der diese Kriegsführung auf kleiner Flamme schon 1948 vorhersagte. Ein Motorengeräusch hörend, das mich an die Düsenjäger über Hamburg erinnerte, mit der die Bundeswehr unsere Resilienz erhöhen will, aber in Wirklichkeit Resignation fördert, blickte ich nach oben und war sicher, eine große Drohne zu beobachten, die unterwegs war, um irgendwo ein paar Fassaden zu zerdeppern und Zivilisten zu töten.
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