Über Touristen in Feierlaune und andere Spaßbremsen
Fast ein Jahr ist es her, da hörte ich den ehemaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck sagen, Klimaschutz gehe vor Artenschutz. Er plädierte für mehr Windkrafträder. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, was ich da hörte. Das Vogelsterben geht weiter, denn wir wollen den Ausbau der Windenergie. Weil wir Wachstum brauchen.
Ich bin Genosse einer Teemanufaktur. Vor rund 30 Jahren imponierte mir der Versuch, mit kleinen geilen Firmen (Fanny van Dannen) eine Alternative zum Kapitalismus zu schaffen. Damals gab es noch alternative Handwerksbetriebe und Bioläden. Irgendwann standen sie vor der Alternative: wachse oder stirb. Meine Teegenossenschaft wächst nicht. Sie vegetiert noch dahin, weil die Frauen zum Mindestlohn schuften. Sie vermarkten ihren Tee über (Bio)-Handelskettten, die den kleinen Läden die Luft abdrückten.
Profitgier erfasst alles, und zwar bis ins Private hinein. Früher sprachen Menschen miteinander. Das kostete nichts. Niemand verdiente an der Kommunikation. Inzwischen bin umgeben von vor sich brabbelnden Menschen. Sie führen keine Selbstgespräche, sondern kommunizieren mittels ihres Smartphones mit Menschen in aller Welt. Für diesen Luxus sterben Vögel. Übrigens stirbt auch das persönliche Gespräch. Weil es nichts bringt.
Als vor kurzem der Strom in einigen Stadtteilen von Berlin ausfiel, hörte ich die Wirtschaftssenatorin sagen, Berlin wolle in den nächsten zehn Jahren den Energieverbrauch verdoppeln. Ich dachte immer noch, es sei sinnvoll, mit möglichst wenig Energie auszukommen. Anders als Frau Giffey hatte ich nicht begriffen, was den Kapitalismus antreibt.
Kapitalismus braucht Wachstum. Alles dreht sich darum, Geld zu mehr Geld zu machen. Alle Unternehmen, ob Klinik oder Dosenfabrik, arbeiten nach demselben Muster: rationalisieren, automatisieren, menschliche Intelligenz raus, Künstliche Intelligenz rein. Profit zählt, sonst nichts. Deshalb arbeiten Chirurgen im Schichtbetrieb. Deshalb sollen Roboter Kranke pflegen.
Jetzt kommen die Kriegssüchtigen und verlangen, alles müsse kriegstüchtig werden. Spiegel-Journalisten sorgen sich, ob arbeitsteilig arbeitende Chirurgen Verwundete zusammenflicken können. Wissen Mechaniker, die nur noch Komponenten zusammenstecken, wie man einen liegen gebliebenen Panzer wieder flottkriegt?
Keine Angst, auch an der Lösung solcher Probleme frickeln kleine geile Firmen, bis Konzerne sie mitsamt ihren Ideen aufkaufen. Ihnen verdanken wir Drohnen, die den Krieg weit hinter die Front tragen. So kann jeder zum Kombattanten werden, Profit erwirtschaften, indem er Werte vernichtet. In diesem Krieg gibt es kein ruhiges Hinterland.
Höre ich da Menschen Aufstand, Widerstand rufen? Weg mit dem Kapitalismus! Nein, da lärmt ein Trupp Touristen, die jetzt schon donnerstags ihr Wochenende auf der Reeperbahn einläuten.
Dieser Text entstand unter Zuhilfenahme humaner Intelligenz (HI) und kann Fehler enthalten.
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