Ohne Helm zur Organspende

Über Medien als Dienstleister.

 

„Sind Sie Organspender?“ begrüßt die Nachrichtenfee Dunja Hayali die Zuschauer des heute Journals* im ZDF. Dann kommt eine junge Frau zu Wort. Die Glückliche hat ein fremdes Herz und möchte, dass Menschen ihre Organe spenden müssen, wenn sie es nicht rechtzeitig ausdrücklich ablehnen.

 

Es herrsche große Not, erklärt die heute-Redaktion. Nur 8.000 Menschen konnte mit einem fremden Herzen geholfen werden. 1.000 warten. Was würde sich ändern, wenn alle Menschen einen Organspendeausweis hätten? Wahrscheinlich nicht viel. Denn die meisten der jährlich 900.000 Verstorbenen in Deutschland kommen nicht als Organspender in Frage. Sie sind nämlich tot. Organe kann nur spenden, wer noch lebt. Genauer: ein Herz muss noch schlagen, wenn es dem Spender entnommen wird.

 

Eine wirksame Methode, die Spenderzahl zu erhöhen, wäre eine Vorschrift für Motorradfahrer, ohne Helm zu fahren. Das verbietet sich, weil es zynisch wäre. Für nicht weniger zynisch halte ich den moralischen Druck, der auf Menschen ausgeübt wird, die nie in die Verlegenheit kommen, Organspender zu werden.

 

Organspende ist eine komplexes Thema. Darüber müsste uns das ZDF informieren. Stattdessen engagiert es sich für die vorgeblich gute Sache. Es fällt gar nicht mehr auf, wie häufig die öffentlich-rechtlichen Medien statt Journalismus PR machen. Für die UEFA EURO 2024 zum Beispiel. Auch während der Corona Pandemie verstand sich das Qualitätsfernsehen als „Medienpartner“. Als Informationsquelle sind die Sender dann kaum mehr zu gebrauchen. Sie wollen beeinflussen, nicht informieren. In bester Absicht natürlich. Ich kenne bis heute nur wenige Beiträge zum Thema Corona, die journalistischen Ansprüchen genügen.  

 

Während der Pandemie fiel auf, mit welcher Härte homöopathische Mediziner angegriffen wurden. Zuerst verstand ich das nicht. In anthroposophischen Kliniken wurden Konzepte entwickelt, die den Schutz gegen das Virus ernst nahmen und dabei nicht vergaßen, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Davon hätte man lernen können. Die „sprechende Medizin“ ist aber den Investoren ein Dorn im Auge, die aus einem teuren Gesundheitssystem eine profitable Gesundheitswirtschaft machen wollen. Sie erreichten bereits, dass Krankenhäuser nach demselben Muster Profit abwerfen wie Wurstfabriken.

 

Im neoliberalen Kapitalismus wird der Mensch angeblich zum Apparat. Seine sozialen Bedürfnisse lassen sich technisch, durch Roboter befriedigen. Für Mediziner, die so denken, ist der Mensch ein Ersatzteillager. Hier schließen sich Kreise, öffnen sich neue Perspektiven. Licht ins Dunkle zu bringen, wäre wichtig. Weil sie das viel zu selten versuchen, halte ich Journalisten für die größten Feinde der öffentlich-rechtlichen Medien.

 

*Heute Journal 24. 6. 2024

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0