Etikettenschwindelei

 

Vorsicht, Falle!

Arbeitsbeschaffungsmaßnahme
Jobs für bestimmte „Problemgruppen“ wie Jugendliche oder Langzeitarbeitslose. Die vom Staat geförderten Projekte sollen Menschen in reguläre Arbeitsverhältnisse bringen. Bringen sie in der Regel aber nur von einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in die andere.

Armut
Früher relativ. Als arm galt, wer vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen war. Heute ist Armut in Deutschland nicht mehr zu finden, weil niemand hungern muss.

Barrierefreiheit
Im Zeitalter von Hartz IV, Gated Communities und Privatisierungen des öffentlichen Raums wäre Barrierefreiheit eine grundlegende gesellschaftliche Forderung. Es geht aber nur um Beseitigung von Hindernissen für Behinderte. Schade.

Bürgerversicherung   
Früher eine grundlegende Reform der Krankenversicherung, die sicherstellen sollte, dass auch Beamte, Selbständige und Gutverdiener in eine gemeinsame Krankenkasse einzahlen mit dem Ziel, die Lasten gerecht zu verteilen.
Heute das Konzept der SPD für mehr Wettbewerb der Krankenversicherungen; also ein Konzept für die Versicherungswirtschaft. Die gesetzliche Krankenversicherung wird zur Teilkaskoversicherung abgespeckt. Wer weiter rundum versichert sein will, muss die Produkte der Versicherungskonzerne kaufen.

Energiewende
Früher die Einsicht in die Notwendigkeit, Energie zu sparen und alternative Energiequellen zu nutzen, um den Raubbau an der Umwelt zu beenden. Heute der Versuch, mit Windrädern und Biogasanlagen so viel Energie zu erzeugen, wie zuvor mit fossilen Brennstoffen. Die endgültige Industrialisierung des ländlichen Raums (Logistikzentren, Windparks, Maisanbau soweit das Auge reicht) ist die Folge.

Entsorgen
Ein Neologismus (Worterfindung) aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Atomindustrie wollte Atommüll in Salzstöcke schütten – aus den Augen, aus dem Sinn. Wegwerfen klingt nicht so umweltbewusst.

Fachkräftemangel
Herrscht in Deutschland, heißt es. Es mangelt aber nicht an Fachkräften, sondern an Experten, die bereit sind, schlecht bezahlte Jobs als Leiharbeiter anzunehmen.

Feminismus
Früher der Kampf der Frauen um Emanzipation vom Patriarchat. Männer, die etwas auf sich hielten, waren deshalb Feministen. Heute nur noch der Versuch, mit Männern gleichzuziehen.

Fluchtursachen bekämpfen
Forderung von Leuten, die glauben machen wollen, mit ein bisschen Entwicklungshilfe die Flüchtlinge
an der Flucht hindern zu können. Die Bundesregierung versucht es mit Förderprogrammen für willfährige Regierungen in Afrika. Die europäische Wirtschaftspolitik, die eine wesentliche Fluchtursache ist, soll nicht geändert werden. Ein Verbot von billigen Lebensmittelexporten aus der EU nach Afrika steht ebenso wenig auf der Tagesordnung wie ein Verbot von Landraub in Afrika durch deutsche Konzerne.

Inklusion
Alle sollen teilhaben. Das klingt verführerisch. Wäre die Anstrengung wert. Da der der Mehraufwand nichts kosten darf, weil also Inklusion in Wirklichkeit ein Sparprogramm ist, heißt die Praxis: Allen soll es gleich schlecht gehen.

Integration
Früher die Aufnahme von Einwanderern in die Gesellschaft. Heute die Aufnahme von Flüchtlingen in das Hilfesystem.


Islamphobie
Vorwurf an Kritiker des Islam. Wird gern von Linken und Grünen denen vorgeworfen, die nicht wie viele Linke und Grüne vor demokratiefeindlichen Tendenzen, antisemitischen Äußerungen oder vor der Paralleljustiz der Scharia die Augen verschließen.

Kinderarmut
„Eine Schande für das reiche Deutschland“, sagt die Bundeskanzlerin. Armut ist keine Schande. Das galt früher schon.

Ökologie
Früher die umfassende Sicht auf Natur und Gesellschaft. Heute nur noch Umweltschutz. Wenn die Grünen versprechen, Ökonomie und Ökologie zu versöhnen, meinen sie, Umweltschutz sei ein wachsender Markt.

Recherche
Früher der Kern der journalistischen Arbeit, um Fakten zu belegen oder Verborgenes aufzudecken. Heute gilt googlen als recherchieren. Leider auch für viele Journalisten.

Schuldenbremse
Versprechen der Politiker, keine Schulden mehr zu machen, um die nächsten Generationen nicht für unsere Verschwendung büßen zu lassen. Wird gern als Rechtfertigung für Sozialabbau angeführt, ist aber ein Fake. Bei durchgedrücktem Wachstumsgaspedal richtet die Schuldenbremse nichts aus.

Schwarze Null
Hamburgs Haushalt sei ausgeglichen, melden die Medien gern. Leider wurden Schulden und Verluste nur umgebucht in die städtischen Unternehmen. Journalisten wissen das. Sie berichten ab und zu darüber. Generell tun die Nullen aber so, als gebe es die Schwarze Null.

Zeugnis
Früher ein oft hart erarbeiteter Leistungsnachweis. Heute in der Regel eine Art Teilnahmebescheinigung.

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