Was wäre, wenn?

 

Thesen zum Krieg in der Ukraine

 

Wir befinden wir uns mitten in einem Krieg, in einem ökonomischen Weltkrieg, in einem militärischen Stellvertreterkrieg, in dem die USA und die NATO längst aktive Kriegsteilnehmer sind.

 

Warum hat Russland, entgegen seinen anderslautenden Beteuerungen, diesen völkerrechtlich, moralisch wie politisch so eindeutig zu verurteilenden Schritt getan, mit all seinen menschlich wie politisch desaströsen Folgen?

 

Russland wurde vom Westen immer wieder hemmungslos provoziert, seine Sicherheitsbedürfnisse wurden verletzt. Auf seine Vorschläge kamen keine Antworten: trotzdem kann man den Angriffskrieg keinesfalls als alternativlos ansehen.

 

Der Kreml hätte, auch zu seinem eigenen Nutzen, der Welt ein Modell ziviler Konfliktlösung bieten können. Diese Chance ist mit dem im wahrsten Wortsinn unerklärten Krieg gegen die Ukraine vertan worden. All diejenigen, die eine europäische Friedensordnung unter Einschluss Russlands erstrebten, müssen sich von diesem Vorgehen zutiefst düpiert fühlen.

 

Warum stellt der Kreml eigene Sicherheitsinteressen – wie berechtigt diese auch sein mögen – über tausendfach ausgelöschtes menschliches Leben und nimmt in Kauf, große Teile des historisch und kulturell eng verbündeten Nachbarn in Schutt und Asche zu bomben?

 

Man hätte über Putins Vorschlag für einen Vertrag zwischen der russischen Föderation und den USA reden müssen, der seit Mitte Dezember 2021 auf der Website des russischen Außenministeriums für alle einsehbar war. Neutralität der Ukraine, Autonomie für den Donbass, das Krim-Referendum bleibt gültig und die NATO zieht ihre Atomwaffen aus den einstigen Sowjetrepubliken zurück. Damit hätte die Welt leben können, selbst die Ukraine.

 

Die Biden-Administration wollte nicht über Neutralität, die Kernforderung, verhandeln. Sie liebäugelte offensichtlich mit Krieg und wischte das Angebot als Maximalforderung vom Tisch.

 

Trotzdem gab – und gibt es – stets einen Handlungsspielraum. Putin und seine Leute hatten trotz allem eine Wahl. Und sie haben die falsche getroffen.

 

Was immer der Westen falsch gemacht hat (nämlich so ziemlich alles), nichts rechtfertigt diesen fatalen Angriffskrieg. Er bringt den Ukrainern in den betroffenen Gebieten ein Inferno und verstößt offensichtlich selbst gegen russische Interessen. Im Völkerrecht ist dies die gravierendste Verletzung, die die UN-Charta kennt, das schlimmste Verbrechen.

 

Die gesamte Nachkriegsgeschichte zeigt, dass dieses »schlimmste Verbrechen« ohne allzu große Empörung der Öffentlichkeit wieder und wieder begangen werden konnte, solange es nur von den »Richtigen« begangen wurde.

 

Jede Form der Gewalt gegen die Zivilbevölkerung, sei es militärische oder wirtschaftliche, ist ohne Wenn und Aber entschieden zu verurteilen. Hier gibt es nicht den geringsten Spielraum für eine moralische Billigung.

 

Zusammenfassung eines Gesprächs der Schriftstellerin Daniela Dahn mit Rainer Mausfeld, Professor für Allgemeine Psychologie.

 

Quelle: Overtone Magazin

 

Das meint die New York Times.

 

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