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Über Geschäftsgebaren.

 

Wie lange ich Mitglied der Büchergilde Gutenberg bin, weiß ich nicht genau. 30 Jahre? Mindestens. Ehemals gewerkschaftseigen, wollte die Büchergilde einst die Arbeiterschaft durch gute Literatur zu besseren Menschen erziehen. Jetzt ist sie der Hort für das schöne Buch. Wie so oft bin ich der einzige Kunde. Ich blättere in den aufwendig gestalteten Bänden, finde aber nichts, was mich anspricht.

 

Meine vier Pflichtkäufe pro Jahr erledige ich schon lange mit CDs. Eine kostet jetzt 20 Euro. Ein Wahnsinn. Schon lange überlege ich, meine Mitgliedschaft zu kündigen. Jetzt ist es so weit. Ich teile meinen Entschluss der Buchhändlerin mit. Sie kennt mich seit meinem ersten Einkauf. Jedes Mal fragte sie nach meinem Mitgliedsausweis. Ich hatte ihn nie dabei. Jetzt sagt sie: „Das brauche ich schriftlich.“

 

Bevor ich am 3. Januar 1979 aus der Katholischen Kirche austrat, hatte ich mich für einen Disput gewappnet. Ich wollte meine Begründung loswerden. Den Beamten vom Amtsgericht interessierten meine Gründe nicht. Er tilgte mich aus der Liste. Das war´s. Der Kirche schien mein Austritt egal zu sein. Ich hätte das Kleingedruckte lesen sollen. Dem Glauben kann ich entsagen, auch der Organisation. Doch meine Seele behält die Kirche. In alle Ewigkeit. Ob ich will oder nicht.

 

Als ich meinem Winzer nach 38 Jahren die Treue aufkündigte, hätte ich schon mit einer Reaktion gerechnet. Ich hatte ihm mitteilen müssen, meine im Sinkflug befindlichen Honorare seien dem Aufschwung seiner Preise nicht gewachsen. Jahrelang trank ich sauren Riesling, weil ich an ihn glaubte. Seine Philosophie gefiel mir. Sie fand immer mehr Freunde, je besser er wurde. Heute ist er ein Spitzenwinzer und kann für seine Weine verlangen, was er will. Sein Schweigen gab mir einen Stich.

 

Als wir unseren Schrebergarten aufgaben, mussten wir nach rund 25 Jahren dem Baumdoktor kündigen. Er schrieb zurück: „Schade. So nette und pflegeleichte Kunden verliere ich nicht gern.“ Wir versprachen, für ihn zu werben.

  

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