Ohnmachtsphantasie

 

Über das Nicht-Mitmachen.

 

Krieg macht krank. Gerade war im SPIEGEL die Geschichte eines Soldaten zu lesen, der an PTBS leidet. Das ist nicht die Krankheit, die heutzutage Sozialarbeiter bei ihrer Klientel diagnostizieren, sondern ein wahrer Hammer. PTBS zerstört die Persönlichkeit. Sind diese Opfer des Krieges Kollateralschäden? Oder mahnen sie, über den Krieg als Mittel der Politik hinauszudenken?

 

Die Bundesregierung setzt auf Stärke. 100 Milliarden Euro für die Aufrüstung. Die Verantwortlichen machen Deutschland fit für die militärische Verteidigung. Das ist rückwärtsgewandt, phantasielos, gefährlich und unverantwortlich. Vor allem beseitigt diese Politik nicht das grundsätzliche Dilemma. Deutschland bleibt trotzdem von Putins Wohlwollen abhängig. Russland hat Atomwaffen.  

 

Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine bekennen ehemalige Kriegsdienstverweigerer wie Wigald Boning und Campino jetzt ihre Bereitschaft zum Waffengang. Mit rund 60 Jahren ist die Chance, mitmarschieren zu müssen, nicht allzu groß. Insofern könnte man die Äußerungen als PR-Gequatsche abhaken. Wenn dahinter nicht die naive Ansicht stünde, es sei möglich, in den Krieg zu ziehen, um nach getaner Arbeit unversehrt nach Hause zu kommen.

 

Wer Krieg ablehnt, gilt als Träumer. Wer Krieg vorbereitet, scheint Realist zu sein. In Wirklichkeit ist Krieg ein Albtraum. Kriegsgegner können nur warnen. Und hoffen, dass sie gehört werden. Ich bin Pazifist, nicht weil ich feige wäre. Oder weil mich das Schicksal der Menschen in der Ukraine kalt ließe. Ich bin überzeugt, Krieg macht nichts besser. Deshalb halte ich mich an den Slogan der Aufrührer im Pariser Mai 1968: Seid Realisten, verlangt das Unmögliche.

 

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