Wider die Fesselung des Ich

 

Neuerscheinung zum Thema Parkinson

 

Bücher über Parkinson lese ich, wie ich als Pubertierender Romane las: ich suche nach Stellen. In Martin Klawitters 158 Seiten schmalen Bericht verstecken sie sich in seinen philosophischen und künstlerischen Betrachtungen. Mich interessieren Einblicke in seinen Alltag, die mir Einsichten ermöglichen. Und ich werde fündig.

 

Wer an Parkinson erkrankt ist, hört wahrscheinlich irgendwann den Rat, eine Spezialkinik aufzusuchen. Zwei Wochen dort bringen Dich auf Vordermann, lautet das Versprechen. Martin Klawitter bekam in der Klinik erst mal zu hören, er müsse aufhören, seine homöopatische Medizin zu nehmen. Dann probieren die Ärzte einiges aus. Auch ein Pflaster mit neuem Wirkstoff. Gut eingestellt - wie es so schön heißt - kommt er nach Hause. Wenige Tage später geht es ihm schlechter als zuvor.

 

Ich habe gerade einen Aufenthalt in einer Tagesklinik hinter mir. Seitdem versorgt mich ein Pflaster mit einem neuen Wirkstoff. Für ein paar Tage gewann ich meine Beweglichkeit zurück. Jetzt zittere ich wieder. Sozusagen auf höherem Niveau. Wie sollte es anders sein? Parkinson ist progressiv. Immerhin fühlt es sich zumindest für kurze Zeit so an wie damals, als Gesunder. Sensationell.

 

Von Nutzen sei der Klinikaufenthalt dennoch gewesen, erklärt der Autor. Er lernte Patienten und ihren Umgang mit der Krankheit kennen. Suchen Sie ruhig eine solche Klinik auf. Und auch, wenn mit der neuen Therapie keine Verbesserung auftreten sollte, die Erfahrung mit den Patienten ist es wert.

 

Martin Klawitter ist Anthroposoph. Seine Sprache und sein Denken bleiben mir fremd. Keineswegs teile ich jedoch die hysterische Ablehnung der Homöopathie, die im Gefolge der Maßnahmen gegen das Corona Virus modern wurde. Denn ich ahne, es steckt mehr dahinter als die Schulmedizin jemals begreifen wird.

 

Schulmediziner glauben, das Seelenleben der Patienten ignorieren zu können. Die Neurologen, denen ich begegne, würden mir am liebsten den Schädel aufbohren. Sie werben für die Tiefe Hirnstimulation, bei der Sensoren im Gehirn versenkt werden. Ich verstehe sie sogar: das Hirn ist ein faszinierendes Forschungsobjekt.

 

Parkinson sei in erster Linie eine Erkrankung der Kommunikationsfähigkeit, schrieb Helmut Dubiel in seinem Bericht Tief im Hirn. Martin Klawitter bezeichnet Parkinson als Willenskrankheit. Zu oft müsse der Parkinsonpatient etwas wollen, um dann festzustellen, dass es eben nicht zu machen ist.

 

In einer anthroposophischen Klinik lernt er, den Blick auf sich selbst zu richten, um zu erkennen, was die Krankheit mit ihm macht. Seine Botschaft: Parkinson heißt: immer wieder geduldig und kraftvoll den Willen zu schulen. Widerstände anzunehmen und zu überwinden. Nicht den Mut verlieren. Das Einfache, das schwer zu machen ist.

 

Martin Klawitter, Mein Leben mit Parkinson, Urachhaus 2022, 20 €

 

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