Über süßliche Weihnachtsgrüße

Jeder müsse selbst entscheiden, was sie oder er tut. In diesen Zeiten drückt diese Haltung Andersdenkenden gegenüber bereits das höchstmögliche Maß an Toleranz aus. Es wird nicht reichen.


 

Zu den vielen schönen Bräuchen rund um das Weihnachtsfest gehört das Verschicken von Weihnachtsgrüßen. Die bunten Karten machen sich gut, wenn sie aufgeklappt auf der Kommode ausgestellt werden. Sie sagen: du bist nicht allein.

 

„Wir hoffen auf bessere Zeiten,“ schreiben Freundinnen und Freunde. Sie teilen ihre Vorfreude auf das bevorstehende Familienfest mit, „bei dem das C-Wort keine Rolle spielen soll.“

 

Ich verstehe das Bedürfnis nach Harmonie. Ich verstehe es, wenn Konflikte umgangen werden. Der Heilige Abend eignet sich nicht für politische Dispute.

 

Aber wir erleben gerade die Ausgrenzung von circa 20 Prozent der Bevölkerung. Sie werden als Nazis und Idioten beschimpft und für die Ausbreitung der Seuche verantwortlich gemacht, weil sie eine Impfung ablehnen. Bald sollen sie mit Gewalt zur Impfung gezwungen werden können.

 

Wird, wer jetzt schweigt, sich trauen, den Mund aufzumachen, wenn es hart auf hart kommt? Wenn die Werte unserer Gesellschaft der Angst geopfert werden?

 

Von Voltaire stammt eine Definition von Toleranz, die heute nötig ist: „Ich teile ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.“ Etwas in dieser Art hätte ich gern auf Weihnachtskarten meiner Freundinnen und Freunde gelesen.

 

 

 

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Nehmen Sie Platz. Es sitzt sich nirgends bequemer als zwischen allen Stühlen.

Foto: Tara Wolff, Hamburg