Gerettet… gerichtet

 

 

 

Warum grinst der General?

 

... bis zum nächsten Mal


 

Das alte Entsagungslied, das Eijapopeija vom Himmel,
womit man einlullt, wenn es greint, das Volk, den großen Lümmel.
Heinrich Heine

 

 

Als ich zum ersten Mal Heinrich Heine las, im Herbst 1976, hätte ich nicht geglaubt, seine Gedichte einmal als Zeitkommentar lesen zu müssen. Dabei lümmelt sich das Volk damals wie heute durchs Leben. Im Proseminar an der Frankfurter Universität hielten wir uns sicher für aufgeklärter als die Zeitgenossen des Dichters. Heute erheben sich junge Leute, die weder Heine kennen, noch etwas über das 19. Jahrhundert wissen, über die damaligen Menschen. Aber sie kommen nicht einmal auf die Idee, die Grundrechte zurückzufordern. Sie begreifen nicht mal die Bedeutung. Der Staat wird als Dienstleister gesehen. Polizeigewalt wird als solche erst registriert, wenn man selbst ihr Opfer wird. Dann babbt man sich den Judenstern an und motzt den Protest zum Widerstand auf.

 

Alles, was im Hintergrund geschieht, soll dort bleiben. Wer sich zu tief hineinwagt, kann nur ein Verschwörungstheoretiker sein. So kommt es, dass die Welt, die wir für normal gehalten haben, ins Wanken gerät und die Angstgemeinschaft diskutiert Privilegien für Geimpfte. Sie wollen weg. weit weg. Das halten sie für normal.

 

Als in Bus und Bahn noch Halstücher erlaubt waren, stand ihre geringe Wirkung fest. Viel wirksamer sind medizinische Masken außerhalb des Labors auch nicht. Wer nun überlegte, eine inhaltliche Diskussion zu entfachen, indem er ohne Maske einkaufte, stellte zweierlei fest. Für das Vergehen würde der Ladenbesitzer belangt. Und die Mehrheit der Kunden stellte die Frage nach dem Nutzen gar nicht. Und so kontrollieren Polizisten die Einhaltung der Regeln, obwohl sie nur eine einfache Mund-Nase-Bedeckung tragen. Alles bleibt folgenlos und kann wichtig werden. Und umgekehrt. Untersuchungen besagen, die Masken seien im Freien unsinnig. Wer traut sich, das Maskentragen zu beenden?

 

Wer sich impfen lässt, ahnt die möglichen Spätfolgen nur. Man sollte meinen, die Versuchsteilnehmer dürften unter den vier Impfstoffen wählen. Dürfen sie nicht. Gespritzt wird, was auf Lager ist. Alles kein Thema. Plötzlich verliert die Mehrheit die Bedenken gegen Gen- und Nanotechnik. Denn sie wollen Pfingsten ins Grüne. Spätfolgen, pah.

 

Wurden wir anfangs von der Bahn als das täglich schrumpfende Häuflein der Überlebenden begrüßt, so gelten, seit die Statistik keine nennenswerte Übersterblichkeit ausweist, Spätfolgen als aktuelle Gefahr. Pathos, und mag es noch so falsch sein, wird gern genommen. So wird der Tod durch Corona stets als„grausam bezeichnet. Ich würde eine Klinik, die einen Angehörigen grausam sterben ließe, verklagen. Und wenn eine wegen ihres Unterhosenhumors gemiedene Quasselstrippe auf die Regeln hinweist, soll ich wohl emotional ins Rettungsboot geholt werden. Wieso halten es so viele für normal, dass fast alle die Rettungsboote stürmen und die Kapitänin mit ein paar Kranken auf der Brücke des Ozeanriesen bleiben?

 

Ich vermisse die politische Strategie, die politische Argumentation, kurz: die politische Verantwortung. Daran fehlt es offenbar. So wird weiter auf Lockdowns gesetzt. Das wütende Virus überrascht mit Mutationen und es bleibt dabei: Angst essen Seele auf. Heine nahm das Vertrauen in den Obrigkeitsstaat auf die Schippe: Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.
                                                                              

 

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Es heißt, Deutsche lösten, wenn sie Revolution machten, eine Bahnsteigkarte, bevor sie den Bahnhof stürmten. Heute wissen sie nicht, wo in der Shoppingmall, die sie stürmen, die Bahngeleise sind. Die Revolution ist - von oben kommend - gerade abgefahren.