Was für Brummer!

 

 

Heute aktuell. Es hätte so schön werden können. Ich entwickelte gerade einen der auf Mitteilung harrenden Gedanken und ließ ihn  mit rauchiger Stimme ins Diktiergerät. Da twitterte Karl Lauterbach und störte mich.


 

Das Beängstigende ist die Normalität. Alles wirkt wie immer. Aber kaum erwacht, nagt es wieder an mir. Dieses Gefühl, im falschen Film zu sein. Wieso komme ich überhaupt in diesem Film vor? Will ich das?

 

Der Kandidat ist gescheitert. Das macht ihm schwer zu schaffen. Aber im Laufe des Gesprächs fängt er sich. Zweiter zu sein, tröstet er sich wie der Bär, der sich dem Bienchen geschlagen geben musste, sei doch auch ganz schön. Sie brummt nun mal besser.

 

Robert Habeck bekennt im Gespräch mit zwei Journalistinnen der ZEIT, eigentlich der bessere Kanzlerkandidat zu sein. Die beiden beherrschen diese Gesprächsform aus dem FF. Viel Gedöns um fast nix. Aber atmosphärisch stark. So lassen sie uns miterleben, wie sich der Grüne in die vorgegebene Machtstruktur einordnet. Normalerweise lese ich so etwas nicht. Doch ich wollte wissen, wie sich das Virus auf das politische Geschäft auswirkt. Nämlich gar nicht.

 

Ich unterbreche. Karl Lauterbach twittert: Für alle, die immer noch nicht akzeptieren, dass Covid keine schwere Grippe ist und eine Alternative zum Lockdown nicht die natürliche Herdenimmunität sein kann, sind diese bestürzenden Bilder eine Mahnung. Impfstoffe für die 5 Mrd Ungeimpfte 2022 sind eine moralische Pflicht.

 

Hinter dem Tweed steckt wieder eine Unmenge von Argumenten und Vermutungen, auf die ich als Nicht-Virologe nicht eingehe. Als notorischer Fernsehverweigerer verzichte ich auf die Analyse der Nachrichten aus Neu Dehli (Danish Siddiqui@dansiddiqui, Und als zweimaliger Indienbesucher füge ich das Bild ein in den krassen Alltag eines sozial zerrissenen Subkontinents.

 

Wir haben mit Jens Spahn gelernt, milde Symptome sind die Regel. Das ist kein Herunterspielen von Gefahr, sondern eine Nachricht. Und zwar eine gute. Es geht auch nicht um Fachdiskussionen, sondern um die Rechtfertigung von Berufsverboten, Abladen der Lasten auf die junge Generation, Verzicht auf Sozialpolitik. Den Epidemiologen Lauterbach interessieren Menschen offenbar nicht. Und als SPD-Politiker arbeitet er an der Ökonomisierung der Bürgerversicherung, die er für Investoren attraktiv machen will.

 

Er braucht nur ein Wort, um sich zu enttarnen. Alle Bedürftigen zu impfen? Hätte er das als Pflicht bezeichnet, man könnte darüber streiten. Eine moralische Pflicht ist im Politiker-Deutsch etwas für Sonntagsreden. Etwas, das zu sagen sich gehört, aber nicht praktisch werden soll. Wir wissen alle, wie Bundeskanzlerin Merkel Ihren moralischen Pflichten nachkommt, wenn sie China besucht. Viel reden, nichts tun. Zumindest nichts, was den Menschen nützt, das zeichnet auch die Corona-Politik aus. In aller Kürze bewusst verkürzt gesagt.

 

Er kann es besser. Jeff Bergheim, Antwort an @Karl_Lauterbach: Es ist eine Illusion zu glauben, die Pandemie sei vorbei, wenn die Leute in einem Land geimpft sind, auch wenn das (begrenzte) Sicherheit gibt. Es ist und bleibt eine globale Aufgabe, bei der wir niemanden zurücklassen dürfen.

 

Klagt Jens Spahn über Bescherden? Und der  Unterschied zwischen  Lauterbach und Habeck? Brummen lassen.

 

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Es heißt, Deutsche lösten, wenn sie Revolution machten, eine Bahnsteigkarte, bevor sie den Bahnhof stürmten. Heute wissen sie nicht, wo in der Shoppingmall, die sie stürmen, die Bahngeleise sind. Die Revolution ist - von oben kommend - gerade abgefahren.