Hurra noch ein Lockdown

 

Die Idylle trügt.

 

Unter jedem Dach ein Ach. Gründe genug, die Welt anzuhalten.

 

Aus der Suche nach Erkenntnis wurde die Sucht nach Bekenntnis. Wer das Virus für die Geißel der Menschheit hält, erhält sich die Unterstützung der Mehrheit. Das macht träge im Lande der Richter und Lenker.


 

Erinnern Sie sich noch an die Chaostage von Hannover? Die niedersächsische Metropole wurde in den 90er Jahren einmal im Jahr für ein Wochenende Tummelplatz für Punks. Zu ihren Ritualen gehörte auch die Zertrümmerung von Geschäften. Trotz eines großen Polizeiaufgebots plünderten sie jedes Jahr aufs Neue. Wie komme ich jetzt darauf? Weil ich an das Chaos von New York denke.

 

Ostern 2020. Stapel von Särgen. Eine Planierraupe, die Erde darüber schob – die Experten hielten das Virus auch in Leichen für gefährlich. Die von der Pandemie Dahingerafften fanden keinen Platz auf den Friedhöfen. Die Tagesschau sprach von Massengräbern, New York dem Untergang geweiht. In Wirklichkeit zeigten die Bilder ein anderes Problem. In New York finden Menschen ohne Angehörige und ohne Geld in städtischen Gräbern die letzte Ruhe. Durch Corona starben mehr. Deshalb ließ die Stadtverwaltung – personell überfordert – die Särge stapeln.

 

Versuchen Sie einmal darüber zu sprechen. Die einen fühlen sich in ihrer Theorie bestätigt, hinter Corona stecke eine Verschwörung. Die anderen werden Sie zum Verschwörungstheoretiker erklären. So funktioniert unsere Öffentlichkeit. Wie im Western gibt es angeblich die Guten und die Bösen. Längst geht Glauben vor Wissen. Von Anfang an machten die Virologen klar: Wer alternativ denkt, leugnet die Gefahr.

 

Dabei wird so viel Vernünftiges gedruckt und gesendet. Zum Beispiel in der Zeit. Dort schrieb Jan Schweit­zer: Vie­le Er­kennt­nis­se in der For­schung sind nur vor­läu­fig. Das aber geht in der Pan­de­mie häu­fig un­ter. (…) Ob B.1.1.7 töd­li­cher ist, bleibt ei­ne of­fe­ne Fra­ge, auch für die Au­to­ren der neu­en Stu­die: Ihr Ar­ti­kel ist ge­spickt mit Hin­wei­sen auf Ein­schrän­kun­gen. Man muss sie nur be­ach­ten. Und ernst neh­men.

 

Was machen wir, wenn wir es mit einem wirklich gefährlichen Virus zu tun bekommen? fragte der Hamburger Gerichtsmediziner Klaus Püschel, bevor er sich in den Ruhestand begab. Trotz vieler Pannen. Trotz großer Teile der Bevölkerung, die sich trotzig den Maßnahmen widersetzten, stagniert die Zahl der Opfer zu Beginn des zweiten Jahres bei 80.000. Das sind persönliche Schicksale, traurige, teils furchtbare Erfahrungen. Statistisch gesehen verursachte die Pandemie noch nicht einmal eine ansehnliche Übersterblichkeit.

 

Und die Statistik müsste die Grundlage der Politik sein. Deshalb verbietet sich auch eine Trauerfeier. Ihr hohles Pathos diskriminiert fast 1,2 Millionen im selben Zeitraum Verstorbene und ihre Angehörigen. Die Politik lässt sich von Einzelschicksalen lenken. Von Aussichten auf eventuelle Nebenwirkungen. Die soziale Lage der Vielen, denen zu arbeiten verboten ist, interessiert nicht mal als Einzelfall. Und schon gar nicht als Massenphänomen. Geld soll alle Wunden heilen.

 

Lebt ihr noch? Seid ihr noch in Eurer Wohnung? fragten Verwandte eine Freundin in Hannover. Sie hatten die Chaos-Bilder im chinesischen Fernsehen gesehen und wähnten Hannover im Krieg. Ich kenne viele Menschen, die mehrere Stunden täglich Nachrichten konsumieren. Seit mehr als einem Jahr, pfeifen sie sich die Angst-Propaganda rein. So kommen wir aus den Lockdowns nicht raus.

 

Die Genesungs-Chancen von Erkrankten sind ausgesprochen gut. Das zeigt die Statistik. Nicht umsonst werden wir nicht mehr mit schockierenden Todeszahlen auf Linie gebracht. Jetzt zählen die Infizierten. Der Tod bleibt ein Skandal. Deshalb wäre es dumm, Angst zu leugnen. Aber die Anlässe sind anscheinend austauschbar. Kaum vorstellbar, die Bevölkerung sei noch vor kurzem bereit gewesen, sich mit Nanotechnik impfen zu lassen.

 

Die Menschen erweisen sich - statistisch - in erster Linie als manipulierbar.  Wer traut sich, den Anpassungsdruck zu ignorieren und zu rufen: Aber er hat ja gar nichts an, wie das Kind in Andersens Märchen?  Wer gibt der Vernunft eine Stimme?

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Schreibtischlerei  Hamburg Altona   Tel: 040 319 755 96  moes@hamburg.de

Es heißt, Deutsche lösten, wenn sie Revolution machten, eine Bahnsteigkarte, bevor sie den Bahnhof stürmten. Heute wissen sie nicht, wo in der Shoppingmall, die sie stürmen, die Bahngeleise sind. Die Revolution ist - von oben kommend - gerade abgefahren.