Lockdown forever

Die Kinder sind klüger und vernünftiger als sehr viele Erwachsene.
Karl Lauterbach

 

Ja wenn es den Karl Lauterbach von der Ervolkspartei SPD nicht gäbe. Er macht Dampf, er mahnt, er warnt. Das wäre gut. Wenn er nicht die Fridays for schulfrei-Jugendlichen zu wichtigen, wenn nicht zu den wichtigsten Akteuren der Politik stilisieren würde. Ein Bundestagsabgeordneter, der Demos gegen seine Politik öffentlich empfiehlt, wirkt auf moderne Wähler authentisch.

 

Natürlich wird viel diskutiert in Deutschland. Aber was? Es möge alles so werden wie früher, mal mit Lockdown, mal ohne. Das kann doch wohl nicht die Alternative sein.

 

Klar ist doch: der Lockdown müsste ausgeweitet werden. Experten wie Stefan Lessenich, Neben uns die Sintflut, erklären uns, Corona sei mit hoher Wahrscheinlichkeit der Anfang vom Ende unserer Lebensweise. Nicht in diese Richtung zu denken, hieße langfristige Chancen zu vergeben. Diese Diskussion fehlt meines Erachtens fast völlig.

 

Allerdings darf Politik, so unvollkommen sie sein mag, nicht wie bisher auf Kosten von willkürlich ausgewählten Bürgerinnen und Bürger gehen. Geschäftsleute, Hoteliers und Therapeuten, Kulturschaffende zunächst verpflichten, in Hygienemaßnahmen zu investieren und ihnen dann die Bude zuzumachen. Und wenn Kinos pleite gehen, weil die Cineasten mit der S-Bahn kommen, dann kann ich nur sagen: Sollte der ÖPNV gefährlich sein, wäre ich längst tot.

 

Wenn Karl Lauterbach sich im exponentiellen Wahnsinnswachstum befindet und sich nicht scheut, 8.000 Tote anzudrohen, falls nicht gemacht wird, was er für richtig hält. Wenn Beamte ihre freie Zeit genießen, wo sie doch eigentlich ihre Privilegien in solchen Notzeiten rechtfertigen müssten. Wenn wir weltmachtstrategisch denken müssen, wie die Vertreter der jungen Verrats-Partei (Wir sagen nur Kina, Kina, Kina) fordern: Dann macht sich jeder seine Wahrheit zurecht. Die Zeche zahlen die, nun ja, Armen.

 

Seinen Fußballclub verlässt ein Fan nie. Seine Partei schon. So gesehen ist die SPD der HSV des Bundestags. Der Traditionsverein schafft es allein nicht, und muss auf den Aufsteiger hoffen. Einen Plastikverein, der sich seinen Fans als der Jute präsentiert. SPD/Grüne machten sich für alle Zeit mit der Agenda 2010 unmöglich, wie der HSV mit der Aufstellung der ewigen Erstliga-Uhr. Fan sein müsste verboten werden. So haat iss datt.

 

Wenn Herr Laschet im Fernsehen verbreitet, es komme nun etwas mit Macht auf Europa zu, das zu managen er sich anbiete, was meint er dann? Etwa die ökologische Frage? Oder gar die ökosoziale? Sicher stehen beide Fragen auf der Agenda. Und zwar seit einem halben Jahrhundert. Mindestens. Meint er Krieg? Der steht auf keiner Agenda. Er wird jedoch vorbereitet. Für alle Fälle. Die Frau von den tagesthemen fragte übrigens nicht nach.

 

Dabei gibt es keinen Grund, der Regierung zu vertrauen. Kein Demokrat käme auf die Idee so etwas zu tun. Er oder sie forderten immer Kontrolle der Mächtigen. Wenn wir in postdemokratischen Zeiten leben, wie könnte die Kanzlerin außerhalb agieren? Halbwahrheiten und das Streuen von Verschwörungstheorien sind die leichteste Übung für die Think-Tanks der Regierung. Was empfiehlt eigentlich die Bertelsmann Stiftung?

 

Die Wahrheit liege auf dem Platz, erklärte Adi Preisler vor gefühlten 100 Jahren. Und ein Fan des SV Meiderich tut so, als habe man früher nicht nachgetreten, wenn einer schon am Boden lag. Solche Märchen halten sich, weil wir sie gern hören. Wir wollen in unseren Alltag zurück. Unsere Politiker versprechen, es werde bald so weit sein: Nur eben noch schnell einen Lockdown.

 

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Es heißt, Deutsche lösten, wenn sie Revolution machten, eine Bahnsteigkarte, bevor sie den Bahnhof stürmten. Heute wissen sie nicht, wo in der Shoppingmall, die sie stürmen, die Bahngeleise sind. Die Revolution ist - von oben kommend - gerade abgefahren.