Die Unbekannte im Pandemieplan

Über das Dritte

Masken – besser gesagt Nase-Mundbedeckung - zu tragen sei ein Zeichen der Solidarität, erklärte mir neulich eine Frau. Ihr glaube ich das. Aber was ist solidarisch am Befolgen einer Vorschrift? Der Verzicht auf die Bedeckung wird bestraft. Deshalb trage ich sie. Solidarität lässt sich nicht erzwingen. Aus Solidarität halte ich Abstand.

 

Ab Morgen schließen Gaststätten, Kinos, Theater. haben selbst die kleinlichsten Auflagen erfüllt, hatten Einbußen und wissen jetzt nicht, wie es weitergeht. Kaltherzig finde ich das. Wissenschaftlich ist dieser Lockdown umstritten. Mich stört die Bedenkenlosigkeit, mit der Existenzen gefährdet und zerstückeln

 

Und damit sind wir mitten im typischen Gesprächsverlauf. Ich laufe Gefahr, den Pandemieleugnern zugerechnet zu werden, je öfter meine Argumente von der Drosten-Merkel-Linie abweichen. Wenn A stimmt, ist B falsch, und umgekehrt. Immer weniger Menschen können (oder wollen) bis drei zählen. Die allseits begrüßte Digitalisierung schadet dem Denken.

 

Bestimmte Muster kenne ich aus anderen Zusammenhängen. Wenn ich erkläre, die Integration der Flüchtlinge fahre gegen die Wand, weil so wenige Deutsch lernen, bekam ich häufig zur Antwort: Ich kenne einen Syrer, der sehr gut spricht. Schon war ich blamiert. Wenn ich sage, es sei doch eine gute Nachricht, das Virus gefährde gesunde Menschen nicht, sagt man mir: Ich habe von einem 19-Jährigen gehört, der an Corona gestorben ist. Wieder blamiert.

 

Was lerne ich daraus? Ausnahmen bestätigen nicht mehr die Regel. Gute Nachrichten sind nicht erwünscht. Sie zersetzen den Konsens der Angst und schwächen die Front. Dabei habe ich Menschen vor Augen, die sich unnötigerweise isolieren. Meine Gesprächspartner wollen kein Risiko eingehen. Wer sein Leben nicht dem Virus weihen will, muss aber Kompromisse machen.

 

Mit Norbert Bolz gesagt: Indem die Politik der Angst aus Problemen Katastrophen macht, schließt sie Kompromisse aus und ruft nach dem Führer aus der Gefahr. In der Konsequenz auch katastrophisch, erfasst er ein wesentliches Element. Wie auf Speed hagelt es Superlative. Super-Spreader, Allzeithöchststand, Massengräber...

 

Am Ende weise ich darauf hin, dass sowohl die Lockdown-Befürworter, als auch die Gegner die Lage womöglich verharmlosen. Die einen, weil sie so tun, als gebe es keine Gefahr, die anderen, weil sie so tun, als könnte man das Virus besiegen. Viren sind die Unbekannten in den Pandemieplänen. Manche verschwinden, wie sie gekommen sind. Aber sie können auch anders.

 

Schreibtischlerei  Stefan Moes   Hamburg Altona   Tel: 040 319 755 96   moes@hamburg.de