Die westfälische Vorhölle

Über Schweinepriester

Westfalen seien sentimentale Eichen, stellte Heinrich Heine vor rund 170 Jahren fest. Jedenfalls sind sie nicht halb so verschlossen wie sie tun. In Rehda-Wiedenbrück erinnern Schnitzereien an 500 Jahre alten Fachwerkhäusern an die Verbrechen der Hexenjäger. Die Gewalt, mit der die Kirche damals die Erschütterung ihres Weltbildes abwehrte, indem sie vermeintliche Hexen öffentlich auf Scheiterhaufen band ud verbrannte, hat man ihr längst verziehen. Unbeirrt gehen die Gläubigen zum Gottesdienst und wollen es nicht so genau wissen. Jedenfalls erzählen mir Taxifahrer ungefragt von ihren Zweifeln am Personal der Kirche, von dem man sich das gute Verhältnis zu Gott nicht kaputtmachen lassen wolle.

 

Hier verdient Herr Tönnies sein Geld mit dem massenhaften Abschlachten von Tieren. Eine Brutalität, für die man keine Einheimischen findet. Schon gar nicht zu so günstigen Löhnen. Man holt also Sklaven, die hartgesotten und verzweifelt genug für die Tierverwertung sind, aus Bulgarien, Weißrussland und China, wie Einheimische zu wissen meinen.

 

Herr Tönnies beschäftige sie für einen Euro pro Stunde, erzählen sie nicht allzu empört. Herr Tönnies ist ein geachteter Mann. Das können seine Lohnsklaven nicht von sich behaupten. Sie bekommen immerhin genug Geld zusammen, um in ihren Herkunftsländern die Familie zu ernähren.

 

Dem Schlachter hat kürzlich sein Unbewusstes einen schlimmen Streich gespielt. Es ließ ihn etwas sagen, was ein kultivierter Weißer nie sagen würde. Das war er nicht selbst, machte er eine Öffentlichkeit glauben, die nichts lieber wollte als das. Denn per Definition kann ein mehrfacher Milliardär kein Rassist sein. Das sind nämlich üble Burschen, die dunkelhäutige Menschen verachten und manchmal sogar umbringen. Das würde Herr Tönnies niemals tun. Er würde auch niemals in seinen Schlachthöfen arbeiten. Dafür ist er viel zu zart besaitet.

 

Viele Schalke Fans waren nicht zufrieden. Sie hätten sich eine bessere Ausrede ihres Aufsichtsrats gewünscht. Den meisten Menschen reicht es aber so.  Und dann sind da noch die Schalke Fans, wie die von Dortmund oder Paderborn, die Herrn Tönnies danken für das Lebensmittel, das er in die Läden bringt. Auch wenn das, was er als Fleisch verkauft, nur noch den Namen mit dem gemeinsam hat, was einmal Fleisch war. In der Pfanne schwurbelt es auf einen kleinen Rest zusammen. Die Menschen wollen einfach glauben, es handle sich um ein Stück Lebenskraft und sind froh, dass es kaum etwas kostet. Sie glauben ja auch, Fußball sei ein Spiel, das ihnen gehört. 

 

Heine erweist als genauer Beobachter. Sentimental zu sein, bedeutet ja, innerlich versteinert an den falschen Stellen emotional zu reagieren. Ungerührt nehmen Westfalen die Bedingungen hin, unter denen mitten im demokratischen Rechtstaat Sklaven gehalten werden. Es geht gutbürgerlich in der global region von Gütersloh und Umgebung. Zeitgleich und gewissermaßen auf Sichtweite existieren Armut wie in der 3. Welt und die Selbstzufriedenheit satter Konsumenten. Man könnte dennoch auf die Idee kommen, diesen Landstrich idyllisch nennen, wüchse nicht überall Mais für die E-Mobilität.

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