Fuck you, Greta

Mit Hölderlin klimaneutral unterwegs.

In der Apotheke fragt mich die akademische Fachverkäuferin immer nach einem Tütchen für die Medikamente, die sie mir aushändigt. Ich versichere ihr, für die drei Schachteln keine zu brauchen. Bei einer Friday for future-Demo könnte ich dafür Beifall einheimsen. 40 Jahre nach Jute statt Plastik. Spottet nimmer des Kinds, dichtete Friedrich Hölderlin, wenn es noch albern auf dem Rosse von Holz herrlich und viel sich dünkt.

 

Bis 2050 wollte München klimaneutral sein, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Jetzt hat die Stadt in einer Kraftanstrengung die Anforderungen heraufgesetzt. Klimaneutralität schon 2035. So wirksam sind die Klimaschützer. Hut ab. Die Beamten, die es schafften, die Anstrengungen hoch- und die Zeit herunterzurechnen, weisen aber schon mal darauf hin, die Stadt sei nur für 40 % der Emissionen verantwortlich. Aber kommt, aus den Gedanken vielleicht geistig und reif die Tat?

 

Die Bürger können Aktionsvorschläge im Internet finden. Zum Beispiel den Fernseher ausschalten, statt ihn auf Stand-by zu lassen. Ernsthaft. Das steht da. Die Regierungen steuern mit aller Macht gegen die Erderwärmung an, indem sie Investitionsprogramme auflegen. E-Autos sollen die Benziner vergessen machen, gedämmte Häuser weniger Heizenergie verbrauchen. Politik mobilisiert also ihr schwerstes Geschütz: Wachstum. So treibt man den Teufel mit dem Beelzebub aus.

 

Irgendwo dämmert es bereits vielen: Klimaneutralität bedeutet, nicht mehr Treibhausgase auszustoßen, als die Natur durch Photosynthese verarbeiten kann. Wenn überhaupt, ginge das wohl nur durch einen rigorosen Verzicht auf die Dinge, die den modernen Grünen gefallen. Wenn sie ihr Öko-Auto aus der Garage holen, verbraucht bereits das Öffnen des Garagentors Strom. Wohl dem, dessen Strom die Steckdose liefert. Alle anderen produzieren Klimakiller.

 

Das Schöne am Kapitalismus ist ja, dass er die Erde, die er ausbeutet, als gegeben nimmt. Die Schäden, die dort verursacht werden, gehen nicht automatisch in die Rechnung ein. Der Kapitalismus wäre sonst längst am Ende, liebe BWL-Studenten.

 

Klimaschützer und Journalisten stellen das ökonomische Wachstum nicht in Frage. Zu ahnen ist süß, aber ein Leiden auch. Modern und umweltbewusst handeln, heißt, in Hahn einen Tagesausflug nach Barcelona starten, mit einem Beitrag zur Aufforstung von Wäldern selbstverständlich. Und strikt darauf achten, dass kein Wein aus Chile gereicht wird – wegen der Ökobilanz. Hölderlin erwartete noch den schöpferischen Genius unseres Volkes. Wenn auch die Hoffnung nicht groß war. Die Deutschen seien nun mal tatenarm und gedankenvoll.

 

Das Buhei nervt. Dieses eitle So-tun, als rette man die Welt, wenn man den Müll trennt, während man nicht mal auf die Idee kommt, etwas an der Lebensweise zu ändern.

 

Zum Besuch in der bayrischen Hauptstadt gehört der Einkauf in der Buchhandlung Lentner am Rathaus. Im Regal steht Hölderlins Geister von Karl-Heinz Ott. Das Buch kaufe ich, und wenn es uns den Regenwald kostet.

 

Fuck you, Greta lese ich auf einem SUV. Ist ja ok. Aber nicht so, wie der Fahrer es meint.                                          

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