Wer fürchtet sich vor Islamophobie?

ÜBER DIE WEIGERUNG NEUE GEDANKEN ZU ZU LASSEN

Kürzlich war ich bei einer Beerdigung an der Mosel. Ich habe dort Verwandtschaft. Als wir vor 50 Jahren dort Urlaub machten, gingen wir auch zur Heiligen Messe. Damals saßen die Frauen noch auf der linken Seite, die Männer rechts. Jetzt saßen auch einige Frauen rechts. Aber kein einheimischer Mann hatte sich nach links gesetzt. So langsam lösen sich traditionelle Gewohnheiten auf.  

 

In solchen Fragen weiter zurück als Katholiken sind die in Moscheevereinen organisierten Muslime. Viele dieser Gläubigen sind frauenfeindlich und mit größter Selbstverständlichkeit antisemitisch. Trotzdem erfreuen sie sich der Unterstützung durch Liberale und Linke. In der Wochenzeitung DIE ZEIT haben sich gerade liberale Muslime zu Wort gemeldet. Sie werden von Linken für islamophob erklärt (was ja schon einiges über deren Geisteszustand verrät) und politisch in die rechte Ecke gestellt. Dieselben Linken würden sich nie schützend vor die katholische Kirche stellen.

 

Linke argumentieren immer noch gegen Integration. Sie kämpfen in diesem Land darum, dass Einwandernde bleiben dürfen wie sie sind. Sind sie rückständig, ist das zu akzeptieren. Dahinter steckt eine schlichte Überzeugung. Wer sich auf den Weg zu uns macht, sei ein guter Mensch.

 

Die Frauenhäuser sind überfüllt. Viel mehr Frauen von Migranten fliehen vor ihren gewalttägigen Männern als es dem Bevölkerungsanteil entspricht. Das thematisieren Linke aber nicht. Eine Frau aus der Frauenberaterszene erklärte mir dazu, die Migranten bereicherten uns ja auf anderen Gebieten. Hundertprozentige Solidarität mit den Flüchtlingen lässt sich anscheinend nur durch Ausschalten des Denkens aufrecht erhalten. Und durch Verrat an den eigenen Positionen.

 

Eine Linke, die es sich zum Ziel setzt, allen Menschen, die es wünschen, ein Bleiberecht zu garantieren, hat den Bezug zur Lebenswirklichkeit verloren. Es geht in der Praxis nicht auf, die Interessen der Ankommenden schützen zu wollen und die Interessen der Ansässigen gar nicht erkennen zu können. Dabei haben beide Gruppen gemeinsame Interessen.

 

Da machen sich Menschen unter Lebensgefahr auf den Weg nach Europa, bezahlen viel Geld für Schlepper, um dann in Hamburg Flaschen zu sammeln. Wer das für normal hält, fühlt nichts für diese Menschen. Die Flüchtlinge sind die Avantgarde der Deregulierer. Wer mit China konkurrieren will, muss die Löhne senken. Wer gegen China bestehen will, muss den Rechtsstaat aushebeln. Mit Bewunderung kam einst Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust aus Shanghai zurück. So schnell wie dort könne man in Finkenweder – wo man Platz für ein Flugzeugwerk brauchte, das schon nicht mehr gebraucht wird – die Anwohner nicht umsiedeln, erzählte er voll Bedauern darüber, dass Menschen hier Rechte haben.

 

Amerikanische Soziologen plädieren dafür, Antirassismus wieder mit der sozialen Frage zu verknüpfen, las ich gerade im Times Literary Supplement. Internationalismus ist wichtiger denn je. Das müssten auch Linke verstehen können, sollte man meinen. Jetzt, wo die Welt zum Dorf wird.                                                           

 

moes@hamburg.de

 

Nehmen Sie Platz. Es sitzt sich nirgends bequemer als zwischen allen Stühlen.

Foto: Tara Wolff, Hamburg