Serengeti-Feeling pur.

Ein touristisches Idyll

Mit dem Rad durchs wilde Tal der Elbe. Die Sonne steht hoch über Unbesandten. Gleich hinter dem Deich lockte ein kulinarisches Kleinod*, auf dessen Terrasse aufmerksame Kellnerinnen die Gäste mit Coupes der „Eismanufaktur Schöller und Mövenpick“* und regionalen Köstlichkeiten* verwöhnen – mitten in „unberührter Natur“*. Plötzlich vibriert die Luft: Wildgänse in V-Formation kreuzen kreischend den Himmel.

 

Uns hält es nicht länger auf den Gartenstühlen. Vorn auf dem Deich stehend, überblicken wir die paradiesisch grünen Elbauen bis hin zum Fluss, der hier ein Flüsschen ist. Sturmerprobte, an Caspar David Friedrich gemahnende knorrige Eichen überragen Weiden und Wiesen. Zum Greifen nah staksen Störche über die Feuchtwiesen, bewacht von gravitätischen Reihern.

 

Unweit der Adebare saufen winterharte Rinder am Wasserloch; bräsig beäugt von einem selbstvergessen wiederkäuenden Bullen, der im Schatten einer Ulme ruht. Plötzlich springen Rehe durchs Bild. Mit kräftigen Sätzen hastet der sehnige Rehbock seiner Ricke hinterher. Nur wenige Meter entfernt den Deich hinauf verschwinden sie im brandenburgischen Nirgendwo.

 

Spatzen tschilpen in einer mächtigen Buche, von fern blöken Schafe. Libellen sirren, Bienen bestäuben die farbenprächtigen Wildpflanzen, eine Echse huscht durchs halbhohe Gras. Die Sonne sticht. Meine Begleiterin entdeckt durchs Fernglas eine Herde von Wildpferden, denen schwarz glänzende Vögel Parasiten aus dem Fell ziehen.

 

Tief atmen wir die würzige Luft ein, Erholung pur*. Bei einer Safari in der Serengeti habe sie mal gesehen, wie Löwen Liebe machen, verrät die anmutige Silver Agerin zart errötend. Verlegen weiche ich ihren samtblauen Augen aus.

 

Gemächlich radelten wir weiter. Vorbei an liebevoll restaurierten Gehöften, in denen jetzt Städter der Landidylle frönen. Unterwegs widerstanden wir den bunten Werbetafeln der radlerfreundlichen* Cafés mit ihren geschäumten Noppentischdecken, die uns mit Kuchen hausgebacken*, ofenfrisch* oder frisch vom Blech* lockten.

 

Rechtschaffen müde zutzeln wir eine gefühlte Ewigkeit nach der Bestellung („wir bereiten alles frisch zu“*) an marktfrischen*, handgeschnittenen*, vegan panierten Beinwellblättern „aus der Region“*, die an einem Salat von dem Erdapfel* serviert werden. Dazu schenkt der bärtige Wirt ein zertifiziertes Biobier* aus der nahen Kleinstbrauerei aus. „Lecker“*, entfährt es der schlemmenden* Reisegefährtin.

 

Ermattet vom köstlichen Schmaus* falle ich ins plüschige Bett. Noch bis in den seligen Schlaf verfolgt mich das Geschrei von wilden Vögeln.

 

*PR-Deutsch aus Hotelprospekten und Speisekarten der Region.