Verbales Glutamat

Testbericht: Gastro-PR


"Schon der Eingang ist einladend“, in Umi´s Steakhaus in Heringsdorf. Also hereinspaziert, liebe Gourmets und Gourmands. Umi öffnet die Tür für die Leserschaft von MV kulinarisch, einem "Magazin", das aufklären will, wo es in Usedom Ryck Haff Peene gutes Essen gibt. Auf 90 Hochglanzseiten präsentieren sich Gasthöfe und Hotels, aber auch Imbissbuden und Hofläden. Sie tun es in einer Weise, die Befürchtungen weckt: die hochgelobte Kochkunst könnte sich als so langweilig und uninspiriert erweisen wie das hochtourige PR-Wording.

 

Wenn alles hochwertig, ausgesucht, lecker und reichhaltig ist, wie soll dann das Besondere beschrieben werden? Immer fein ist nimmer fein. So redete mir meine Mutter das Tragen der guten Hose im Alltag aus.

 

Hier haben, Textprofis mit dem Wirten gemeinsam geschrieben. „Die Küche (die man sich als geschmackvoll geflieste vorstellen kann) legt viel Wert auf Produkte von regionalen Erzeugern (das behauptet hier jeder, der etwas auf sich hält) und verwandelt sie in leckere Spezialitäten…“ Das klingt wahrlich zauberhaft. Bestätigt aber womöglich ein kulinarisches Grundgesetz, demzufolge viele Köche den Brei verderben.

 

Ansonsten wird geschlemmt. Genuss pur ist angesagt. Da laden Sitzecken doch tatsächlich zum Verweilen ein. Kellner verwöhnen ihre Gäste. Alles regional, jahreszeitlich angepasst. Ehrlich, echt und traditionell. Weine sind ausgesucht. Was sogar als Information durchginge, wenn etwas über die Entscheidungskriterien mitgeteilt würde. Die Steaks sind saftig. Eine Meat-and-Greed-Bude in Hamburg St. Pauli preist Steaks als “saftig wie das Fleisch einer Louisiananutte." So was traut man sich auf dem Lande nicht. Es ist also nicht alles schlecht.

 

Nichts Neues im Osten. Für Menschen, die sich orientieren wollen, eignet sich das Magazin nicht. Es gibt kein Kriterium, an dem sich Qualität messen ließe. PR-Quark also. Manchmal unfreiwilig komisch. Das Café Schloon Idyll trägt die Lüge im Namen. Denn das Idyll trügt. Immer. Unvermeidlich. „Ein Geheimtipp für unsere Kaffeegäste sind die verführerischen Torten aus der Hand des Hausherrn.“

 

Ein Hauch von DDR weht in der Bergmühle Bansin. „Wir bieten Ihnen auch die Möglichkeit, Hochzeiten (…), Jugendweihen, Betriebsfeiern, sonstige Veranstaltungen oder Tagungen mit eventueller Übernachtung durchzuführen (Wem fiele da nicht der Stasibericht über Wolf Biermann ein „Beischlafgeräusche. Dann Ruhe im Objekt“) und übernehmen gern die Organisation hierfür.“ Sie werden plaziert.

 

Texten gilt ja wie das Fotografieren als eine Fähigkeit, für die man weder Talent noch Fleiß braucht. Grafiker braucht man übrigens auch nicht mehr. Und so entsteht ein auf den ersten Blick, um es im Jargon zu sagen, edles Produkt. Schon der zweite Blick offenbart den PR-GAU, angefangen vom schülerzeitungshaften Titel, der amateurhaft gestaltet ist, bis zum Lay Out auf teurem Glanzpapier: es trägt mit Schriften und Fotos dicht an dicht so dick auf wie die Sprache.

 

Letztendlich geht es hier nicht um Information, sondern um die Sehnsucht nach Idylle: Gäste mit dieser Sehnsucht wollen betrogen werden. Gut essen in einem feinen Restaurant, das bringt Wärme in einer als kalt und hart empfundenen Welt. Hier wird der Gast verwöhnt. Kann die Seele baumeln lassen. In Wirklichkeit wäre man schon froh, es käme die als Kellnerin verkleidete Hilfskraft, um die Bestellung aufzunehmen.    

 

Sie merken: Hier behauptet einer, es besser zu können. Probieren Sie es. Sie werden sehen, was Sie davon haben.