Macht doch mal was Radikales

Über die Unfähigkeit, in Zusammenhängen zu denken

Darf man darüber nachdenken, was aus den Flüchtlingen wird, wenn sie es zu uns geschafft haben? Darf man sie fragen, was sie vorhaben? Darf man denen; die eine erfundene Fluchtgeschichte erzählen, die Lüge vorwerfen, wo doch nur Leute mit einer guten Story ins Land gelassen werden?

 

Es gibt so vieles, was besprochen werden müsste. Es kommen jedes Jahr noch mindestens 200.000 Menschen bei uns an. Menschen ohne Sprachkenntnisse, ohne Geld, oft mir Krankheiten. Sie müssen versorgt werden. Sie brauchen eine Perspektive. Das ist hoffentlich Konsens.

 

Aber anscheinend ist es nicht erwünscht, auf Probleme hinzuweisen. Jeder Mensch zählt, sagt der Claim von pro asyl. Es ist ein guter Claim. Er täuscht nur ein wenig darüber hinweg, dass eine Millionen Einzelfälle eine Menge sind. Sie brauchen Strukturen, Bildungsangebote, Wohnungen, Arbeit. Wenn Afrikaner in Hamburg Flaschen sammeln, läuft etwas schief.

Nicht jeder sieht das ein. Wer Kritik äußert, kann nur ein Unmensch sein. Einer der seine Interessen vertritt, ein Egoist. Dabei ist das menschlich, an sich zu denken. Nur wer das aufrichtig tut, wird sich ernsthaft für andere einsetzen.

 

Wer herkommt hat gute Gründe. Wir alle haben nur ein Leben. Es wäre schon etwas gewonnen, wenn Flüchtlinge als Menschen mit Interessen betrachtet würden. Dann könnte man sie fragen, was sie brauchen. Jetzt bestimmen das die Behörden. Da entstehen Fahrradwerkstätten und Nähstuben. Vielleicht wäre ein Computerkurs sinnvoller, weil junge Menschen aus Eritrea oder Afghanistan bei uns lernen wollen, eine Firma in der Heimat oder hier aufzumachen. Oder gemeinsam mit Deutschen ein Import/Export-Geschäft. Könnte doch sein.

 

Die durchgeknallte Partei MLPD plakatierte im Europawahlkampf „Recht auf Flucht“. So weit hat sich die Ansicht durchgesetzt, der tue das Richtige, der sich auf den Weg macht. Bleibe im Lande und wehre dich täglich, hieß es früher mal bei Linken. Das kann man niemandem vorschreiben. Man kann aber mit denen kooperieren, die in Afghanistan ihre Dörfer aufbauen und ihre Landwirtschaft oder ihre Betriebe in Gang bringen.

 

Die MLPD und die meisten Linken betreiben das Geschäft der Konzerne. Die Welt soll eine Freihandels- und Freibeweglichkeitszone werden. Ich habe in Indien erlebt, wie sich die Ureinwohner gegen den Bauxitabbau wehren, der sie obdachlos macht. Sie wehren sich dort gegen uns, die wir Fleisch in Aluminium(!)folien einpacken.

Ich weiß, wenn man das große Rad dreht, hängt alles mit allem zusammen. Das führt zu nichts. Genauso wenig nützt Einzelfallhilfe ohne gesellschaftliche Verantwortung.

 

Die Frage sei erlaubt: ist es in jedem Fall eine Katastrophe, nicht hier bleiben zu dürfen? Was können wir für die Menschen tun, die kommen und für die, die hier sind. Und für die, die zurückmüssen?

 

Heute tun alle so, als ginge es gesellschaftlich immer weiter. Als brauche man nicht viel Phantasie und Schaffenskraft, um die Flüchtlinge, die ja immer kommen werden, zu integrieren. Zusätzlich zu den Armen, die schon hier sind. Und dann ist da noch die Klimakrise. Und und und… die durchgeknallte (öffentlich-rechtliche) Meinungsmaschine jagt jedes dieser heiklen Zukunftsthemen im Wochenrhythmus durchs Dorf. Alles zur Dauerempörung hochgejazzt, Trump, Identitäre, Klima, Flüchtlinge, Langzeitarbeitslose, GeschlechterInnen, GroKo, Clans, etc. Eine gesellschaftliche Diskussion geht anders.

 

Christen sollten nicht erschrecken, wenn es heißt: Wir müssen teilen lernen. Und: es darf keine Menschen zweiter Klasse geben. Kaum ein Satz hat mehr Illusionen geweckt, als Angela Merkels „Wir schaffen das.“ Da blieb schon offen, was da geschafft werden sollte. Sie hätte fragen müssen: Wie schaffen wir das? Und dann hätten wir die Gehirne gestürmt, statt uns einlullen zu lassen. Oder? Der schönste Satz aus der 68er Bewegung hat immer noch Geltung:

 

SEID REALISTISCH, VERLANGT DAS UNMÖGLICHE.