Kein Verständnis für Schulschwänzer

Über denkfaulen Protest

Als ich neulich in der Bremer Bahnhofshalle Jugendliche sah, die zur Rettung der Welt die Schule schwänzten, vertraute ich meinem Tagebuch an: „Nicht besser als auf dem Schulhof zu kiffen, finde ich. Einen vernebelten Kopf und das Gefühl etwas erlebt zu haben, hat man in beiden Fällen.“

 

Zwei Wochen später in Bochum sah ich wieder Jugendliche, die sich zur Rettung des Planeten trafen. Der Redner kündigte an, über Tatsachen zu sprechen, „die wir alle kennen“. Die gelangweilte Diktion kann ich hier nur erwähnen. Diese Jugendlichen sahen sich anscheinend als die letzten Aufrechten. Und was machten sie. Eine Latschdemo! So viel Hilflosigkeit macht sprachlos.

 

Wer soll diesen jungen Leuten die Betroffenheit glauben? Sie haben nicht einen Moment nachgedacht. Sondern das getan, was ihre Eltern womöglich auch getan hätten. Sie sind auf die Straße gegangen. Nichts kann in dieser Situation sinnloser sein.

 

Mein Tagebuch: „Auf dem Rückweg zum Bahnhof las ich auf einem Wahlplakat der PARTEI: „Klimaziele erreichbar machen“. Besser lässt sich der Zynismus unserer Gesellschaft nicht fassen. Und vielleicht ist es das, was mir fehlt. Die Bereitschaft angesichts der Aussichtslosigkeit eines gesellschaftlichen Kurswechsels das Denken nicht aufzugeben und sich intellektuell nicht auf das Niveau der Mächtigen zu begeben. Wenn Lehrer mit ihren Schülern diesen Slogan im Deutschunterricht interpretierten, würde ihnen vielleicht die Absurdität des schönen Scheins, in der wir leben, bewusst. Es könnte ihnen sogar klar werden, warum es nicht einmal reichen würde, unser Konsumverhalten zu ändern.“ Zitat Ende.

 

Das ging doch viel zu weit an der Realität vorbei. Zu theoretisch. Abgehoben. Nicht einmal das Konsumverhalten könnte etwas ändern? Käme doch auf einen Versuch an. Was könnten die jungen Leute tun? Wenn stimmt, was sie sagen, nämlich dass die Alten die Lebensgrundlagen der Jungen zerstören, warum kündigen sie den Generationenvertrag nicht auf? Und zwar nicht in dem Sinne, dass sie die Solidarsysteme verlassen. Sondern indem sie verbindliche Erklärungen abgeben. Und Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen, statt zu jammern

 

Ich werde kein Auto kaufen.

Ich fliege nicht mit, wenn die Eltern zum Kaffeetrinken nach Florenz fliegen.

Ich kaufe nicht alle zwei Jahre ein neues Smartphone.

 

Um solche Erklärungen kann man Aktionen entwickeln. Damit unterbricht man die Logik des zerstörerischen Wirtschaftssystems. Und darauf kommt es ja an. Und Freitags ist dann wieder Unterricht. Außer die Schülerinnen und Schüler haben etwas Besseres vor. Dann sollen sie Schule Schule sein lassen. Aber nur dann. Der Klimaschutz braucht Menschen, die ihn machen. Und keinen freudlosen Protest.