Kalte Gedanken zur Klimadebatte

Über das Zerreden von Kritik

2008 war bei uns Krise, sagt Isayas. Der Eritreer erinnert sich, im ganzen Land sei es bergab gegangen. Alle hätten die Krise gespürt. Ich erinnere mich nicht an eine besondere Situation. Aber auch Deutschland sei von der Krise erfasst worden, weiß der Afrikaner. Mag sein. Krisen haben Deutschland bisher nicht in den Grundfesten erschüttert. Die Folgen baden die ärmeren EU-Länder aus. Denn die deutsche Politik stürzt den Kontinent in eine Dauerkrise. Die Zahl der Armen wächst, die Reichen sahnen ab.

 

Liest man die Herolde der Qualitätspresse, erleben wir hierzulande einen lang anhaltenden Boom. Ich spüre die Auswirkungen ebenso wenig wie die Auswirkungen einer Krise. Neulich las ich, der Aufschwung pendle gerade ins Negative. Ich bin gespannt. So durchschlagend wie in Afrika waren die schlechten Zeiten hier seit 70 Jahren nicht mehr. Vielleicht wiegt uns das in der Gewissheit, es werde auch weiterhin gut gehen.

 

Wir denken immer noch wie in den 70er Jahren. Der westdeutsche Bundeskanzler Willy Brandt (oder war er damals Außenminister?) wurde vom russischen Kollegen gefragt, wie die Weizenernte ausfalle. Für die riesige Sowjetunion war das eine entscheidende Frage. Schlechte Ernten führten zu Einschränkungen. Willy Brandt wusste keine Antwort. So wie der Strom aus der Steckdose, kam das Brot aus dem Bäckerladen. Nicht einmal die katastrophale Hitzewelle im vergangenen Sommer führte dazu, dass Klos nicht mehr mit Trinkwasser gespült werden durften. Auch in diesem Jahr drohen schlechte Ernten, warnen die Bauern und kündigen Preissteigerungen an. Folgen für die Politik: null. Sie setzt wie die Wirtschaft auf Wachstum und Ressourcenverbrauch.

 

Da passt der Aufruf eines Youtubers, die Regierung solle den CO2-Ausstoß schnellstens senken. Sein Video wird landesweit aufgeregt diskutiert. Die CDU wollte zuerst mit Zensur reagieren. Das kann sie immer noch. Jetzt muss die Diskussion erst mal auf Nebengleise rangiert werden. Hat Rezo auch keine Fehler gemacht? Wer sitzt da überhaupt im Hintergrund? Sollte er sich in einer Talkshow rechtfertigen dürfen? Und werden die Parteien bald in der Lage sein, ihre Fake News professionell im Internet zu verbreiten?

 

Rezo hatte Details über die in Ramstein koordinierten Angriffe mit Drohnen, den nicht erklärten Krieg der USA gegen mutmaßliche Terroristen, berichtet. Auch über Waffenlieferungen an Kriegsparteien und die Beteiligung an Kriegen durch Bundeswehreinsätze ohne UN-Mandat und ohne den Segen des Bundestags.

 

Für die CDU sind das viel heißere Themen als der Klimawandel. Im Krieg um Ressourcen muss Deutschland mitmischen können. So lange wir siegen, kann uns die Klimakrise mal. Dafür rüstet Angela Merkel auf und dafür fordert AKK einen europäischen Flugzeugträger. Auch für diese aufgeregte Debatte gilt, nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Bisher gelingt es den Krisenmanagern, diese Debatte auf kleiner Flamme köchelnd zu halten.

 

Wenn erst Krieg auf der Tagesordnung steht, und Figuren wie Philipp Amthor darüber mitentscheiden, werden wir zu spüren bekommen, was schlechtes Krisenmanagement wirklich bedeutet. Nur werden wir niemanden mehr finden, dem wir davon erzählen können.