Geld und Moral

Über den Verfall der Sitten.

„Einer trage des anderen Last.“ Was der Apostel Paulus Christen riet, kann für alle gelten. Wir sollten einander das Leben erträglich machen. Last abnehmen. In der rauhen Wirklichkeit merken Christen wie Nicht-Christen, dass sie ein Päckchen zu tragen haben. Da ist es verführerisch, nach Möglichkeiten zu suchen, anderen Lasten aufzuhalsen.

 

Wenn Geld die Welt regiert, macht sich das Verhältnis zur Welt im Umgang mit Geld bemerkbar. Was uns Menschen und ihre Leistung wert sind, zeigt sich vor allem durch unsere Bezahlung.

 

Kapitalismus ist zerstörerisch. Das beweist der Zustand der Landschaften, der Flüsse und der Ozeane. Kapitalismus rechnet sich nur, weil seine Kosten externalisiert werden. Autos und Smartphones wären unbezahlbar, würden die ökologischen Kosten ihrer Produktion eingepreist.

 

Genauso verheerend wirkt sich unsere Wirtschaftsweise auf die sozialen Verhältnisse aus. Der Antrieb des Kapitalismus ist Profit. Was den Profit mindert, wird outgesourct - ausgelagert. So stirbt das Handwerk, so gehen Kenntnisse verloren, so bleiben Menschen auf der Strecke. Das weiß inzwischen jeder. Nur weiß niemand, wie es besser geht. Nirgendwo steht eine Revolution auf der Tagesordnung. Die jüngsten Proteste in Frankreich zeigen vor allem die Ratlosigkeit der Menschen, die sich gegen ihre Herabwürdigung wehren.

 

Wenn die großen Fragen im Großen nicht lösbar sind, könnte man wenigstens im Kleinen versuchen, dagegen zu halten. Schon aus Selbstachtung. Und aus Achtung vor der Arbeit qualifizierter Menschen. Das Gegenteil ist der Fall.

 

Amazon wächst. Die Schnäppchenjagd blüht. Das Prinzip dahinter ist immer gleich. Billiganbieter, seien es Ryan Air, IKEA oder Unternehmen wie Flyeralarm, unterbieten Marktpreise, indem sie Lieferanten unter Druck setzen und Kunden einspannen. So müssen bei IKEA die Kunden die Möbel zusammenschrauben. Wenn diese Leute zu mir kommen, messen sie alles am IKEA-Preis. Und gehen wieder. Flyeralarm zwingt die Kunden, die Druckvorbereitung zu erbringen, die zum Druckerhandwerk gehört, dort also im Preis enthalten ist.

 

Wer nicht bereit ist, die Kosten der Arbeit anzuerkennen, entwertet die erbrachte Leistung. Das handwerkliche Können verschwindet, weil es nicht wertgeschätzt wird. Am Ende sind die Dumpingkönige die Gewinner. Alle anderen verlieren.

 

Denn das, was die Billiganbieter liefern, ist günstig nur im „Preis-Leistungs-Verhältnis“. Da sind sie unschlagbar. Weil handwerkliche Qualität, die für sich steht, nicht mehr gefragt ist. Wer die Schöpfung bewahren will, muss die Schöpfer schützen. Das kostet mehr als guten Willen. Aber nur so – durch Anerkennung von Leistung – werden Werte geschaffen.

 

Langer Rede kurzer Sinn: Nächstenliebe muss scheitern, solange jeder sich selbst der Nächste ist.