Schwarzweißmalerei

Über geschlossene Weltbilder.

 Stern-Autor Arno Luik interviewt Thilo Sarrazin zu seinem neuen Buch „Feindliche Übernahme“. Gleich die erste Frage pariert Sarrazin, indem er dem moralisch empörten Journalisten schlechte Vorbereitung nachweist. Der hatte ihm Hass gegen „den Muslim“ vorgeworfen. Doch Sarrazin verwendet den Begriff gar nicht.

 

Arno Luik entschuldigt sich bei seinem Gegenüber. Nicht bei seinen Lesern. Luik hat dem Autoren ein Geschenk mitgebracht: Lessings Nathan der Weise, weil „mit ein wenig Toleranz die Welt besser dran wäre“. Auf diesem Niveau geht es weiter: Gut Gemeintes anstelle von Journalismus. 

 

In zwei drei Generationen hätten die Muslime so viel Einfluss, dass sie die Gesellschaft verändern könnten, sagt Sarrazin. „Irre“ sei das, erwidert Luik und behauptet dann, es gebe keine Masseneinwanderung, um sich schließlich auf die Erkenntnis zurückzuziehen, die Einwandernden seien doch Individuen, die sich auch ändern könnten. Wer wollte das bestreiten?

 

In Sarrazins Vermutung, die Muslime beanspruchten in Zukunft mehr öffentlichen Raum liest Luik einen „Subtext“: Deutschland sei bald wieder „ein Volk ohne Raum“. Darauf muss man erst einmal kommen. Entsprechend empört reagiert Sarrazin. „Das ist unter Ihrem Niveau“, bescheinigt er dem Journalisten. Auch hier irrt er.

 

Dem Journalisten geht es gar nicht um eine Auseinandersetzung mit dem Buch. Es bietet mit Sicherheit Gelegenheit zum Verriss. So ist allein die Vereinnahmung jedes muslimischen Migranten durch den organisierten Islam fragwürdig. Die Moscheevereine reden sich groß, Islamkritiker wie Sarrazin reden die Moscheevereine groß. Beide verfolgen eine politische Strategie. Aber das interessiert Luik nicht. Er bedient das gute Gefühl Stern-Lesers, der eine Illustrierte liest und sich daraus eine Weltanschauung zimmert.

 

Luik macht verschiedene schlecht begründete Versuche, Sarrazin als Nazi zu outen. Es will ihm nicht gelingen. So macht er es dem ehemaligen Bundesbanker leicht. Der wirft Linken und Liberalen Naivität im Umgang mit dem Islam vor. Luik bietet das beste Beispiel.

 

Ausgerechnet Luik, der so wenig Interesse an Fakten zeigt, beruft sich auf die journalistische Sorgfaltspflicht. Um dann Sarrazin allen Ernstes als „Hassprediger“ zu verunglimpfen.

 

Je länger das Gespräch dauert, desto abgedrehter wird es. Sarrazin und Luik sind sich ähnlicher als sie glauben. Aus Einzelbeobachtungen ziehen sie weitreichende Schlüsse. Und machen sich so die Welt passend. Zum Beispiel, wenn Arno Luik behauptet, die Reaktion der türkischen Gemeinde auf die Morde des NSU „widerlegt eindrucksvoll Ihre These von der Gefährlichkeit der Muslime. (…) Es gab keine Aufstände in der Sonnenallee, in Kreuzberg, Marxloh – keine Gewalttätigkeit von den angeblich so gewaltbereiten muslimischen Jugendlichen. Das widerlegt all Ihre Thesen.“

 

Schön wär´s.

 

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