DIENSTBARE GEISTERDEBATTE

ÜBER DAS SOZIALE PFLICHTJAHR

 

Wahrscheinlich dient die Debatte um das Pflichtjahr nur dazu, das Sommerloch zu füllen. Es ist ja alles gesagt. Im Artikel 12 (2) des Grundgesetzes steht: „Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.“ Gemeint ist die Wehrpflicht.

 

Die Wehrpflicht ist abgeschafft. Damit könnte die Diskussion beendet sein, bevor sie angefangen hat. Zwangsarbeit ist verboten. Der ideologische Zucker, den beispielsweise der sonst so nüchterne Heribert Prantl über die Dienstpflicht streut, versüßt nur den Zwang, mit dem sie durchgesetzt werden muss.

 

Wer dienstverpflichtet wird, muss auf Grundrechte wie Wahl des Arbeitsplatzes und Freizügigkeit verzichten. Was soll mit denen geschehen, die nicht einsehen, dass sie für wenig Geld viel leisten sollen? Werden sie ins Gefängnis gesteckt, wenn sie den Zwangsdienst verweigern?

 

Alte Männer haben vor 100 Jahren junge Männer zum Dienst gerufen. Süß und ehrenvoll sei der Tod fürs Vaterland. Hehre Parolen verdecken, dass es um Zwang geht. Aktuell zwar nicht mehr ums Töten und Sterben, sondern angeblich um Empathie, um soziales Lernen. Wieso sollen die Jungen richten, was die Alten verbocken? Es wäre ja auch denkbar, die Alten zur Zwangsarbeit heranzuziehen. Macht aber keiner.

 

Ich habe im Zivildienst nichts gelernt, was ich nicht in einem normalen Arbeitsverhältnis hätte lernen können. Gelernt habe ich allerdings, was es heißt, eingeschränkte Grundrechte zu haben. Billige Arbeitskraft zu sein. Und damit nicht zuletzt ein Lohndrücker.

 

Wer glaubt, junge Menschen zu ihrem Glück zwingen zu müssen, hat nichts verstanden. Ein soziales Pflichtjahr erzeugt Unzufriedenheit, Bitterkeit. Wer schlau ist, entzieht sich. Es müsste eine neue, rigoros handelnde Behörde aufgebaut werden.

 

Nachdenklich stimmt die Ansicht, die Arbeit in der Altenpflege sei geeignet, das soziale Gewissen zu entwickeln. Ginge das nicht viel leichter in Banken, Versicherungen und Medien? Dienstverpflichtete Redaktionsgehilfen, das hätte was.

 

Wie wäre es, die Arbeitswelt so zu gestalten, dass soziale Verantwortung ein wesentlicher Bestandteil wäre. Das ist utopisch? Was sagen eigentlich die Gewerkschaften? Gibt es die noch? Lassen wir das Thema. Bis zum nächsten Sommer.

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