Genossenschaft genießen

 

 

Kräutertee mit belebender Wirkung. Ein Text für Kräutergarten Pommerland

Eine holprige, von Mirabellenbäumen gesäumte Allee verbindet Pulow mit dem Rest der Welt. Am Horizont glitzert der Peenestrom, hinter dem sich die Insel Usedom erstreckt. Vor fast dreißig Jahren begannen die Menschen wegzuziehen, nach Westen, der Arbeit hinterher. Wer übrig blieb, fühlte sich – wie man hier derb sagt - am Arsch der Welt.

 

Neben dem Dorf verwahrloste eine ehemalige Schweinemastanlage. Einige Frauen hatten zu DDR-Zeiten dort gearbeitet und waren entlassen worden. Aus dem Areal müsse doch was zu machen sein, dachten sie sich und besetzten 1999 ein Gebäude. Ihr Projekt: Arbeit schaffen aus eigener Kraft, ökologisch und selbstverwaltet. Sie bauten Kräuter an und entwickelten etwas Neues: großblättrige Teemischungen, farbenfroh und intensiv im Geschmack.

 

Die Pulower Frauen begriffen sich vom ersten Tag an als Teil eines Netzwerks ökologisch und alternativ handelnder Menschen. Die kamen aus Berlin, Hamburg und anderen Großstädten und belebten nach und nach die gottverlassene Gegend.

 

Im benachbarten Papendorf beackerte eine Heilpraktikerin und versierte Kräuterfrau einen Duft- und Tastgarten. Sie komponierte die ersten sieben Teemischungen. Die „Klassiker“ in den durchsichtigen Tüten begründen bis heute den Ruf des Unternehmens.

 

Von Beginn an war seine Geschichte alles andere als romantisch. Das Land ringsum bewirtschaftete die ehemalige LPG mit großen Maschinen und viel Dünger. Und nicht jeder Nachbar sah den Kräuteranbau als Chance. „Wir wollen keine Ökos“, war auf Transparenten im Dorf zu lesen. Und dann wehte Brasan auf die Kräuter. Das Pflanzengift vernichtete eine vollständige Ernte.

 

Die Frauen hielten zusammen und kämpften um ihre Zukunft; sie gewannen den Prozess gegen den Großagrarier und überzeugten Frauen aus dem Dorf mitzumachen. Nachhaltiger Kräuteranbau und die Verarbeitung von Hand sind arbeitsintensiv. Aber nur so geht’s. 2001 gründeten die Frauen eine Genossenschaft. Mehr als 100 Mitglieder nutzen die Chance, sich einzubringen und mitzuentscheiden.

 

In Pulow siedeln sich wieder Menschen an. Menschen mit Ideen und Energie. Neue Projekte entstehen. Es tut sich was am Arsch der Welt.

 

Nur die Landstraße ist voller Schlaglöcher wie eh und je.

 

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