LEICHTE SPRACHE. EINFACH SCHWER ZU MACHEN

Was läuft beim Texten falsch? Eine Website zu gestalten wird oft Technikern überlassen. Content wird zwar als wichtig angesehen. Die Textgestaltung gilt in der Regel als zweitrangig. Die Website hat dann eventuell ein gutes Aussehen und ist vielleicht sogar erfolgreich. Denn natürlich kommt es vor, dass sich starke Inhalte durchsetzen – trotz mangelhafter Textgestaltung.

 

Texte zu schreiben gehört zu den Kulturtechniken. Alle lernen es in der Schule. Das Gute: Jeder ist potentiell sein eigener Autor. Der Nachteil: Was alle können, wird nicht hoch geschätzt.

 

Es verhält sich wie mit dem Fotografieren. Der Unterschied zwischen knipsen und fotografieren ist offensichtlich. Er interessiert aber kaum noch jemand. Wer ein Smartphone besitzt, verfügt über eine Profi-Kamera. Profi ist sie oder er deshalb nicht. Die Verbreitung von Profi-Equipment führt zur Verbreitung amateurhafter Ergebnisse. Und zur Gewöhnung daran. Professionelle Fotografen können ein Klagelied darüber anstimmen. Texter auch.

 

Für beide Professionen haben gesunkene Ansprüche an Qualität abstürzende Honorare zur Folge.  Auf Texte bezogen heißt das: Hauptsache man versteht, was gemeint ist. Wäre es nur so einfach. Die Praxis zeigt nämlich: Je umständlicher der Text, desto unverständlicher ist er.

 

Es kommt auf die Perspektive an. Wollen Sie Ihre  Beratungsstelle oder Ihr Unternehmen präsentieren? Dann müssen Sie deren Struktur und die Aufgaben beschreiben. Aber nur dann. Wollen Sie Klienten ansprechen? Dann müssen Sie sich deren Perspektive zu eigen machen. Nicht der Aufbau der Beratungsstelle oder das Unternehmen, sondern die Bedürfnisse der potentiellen Klienten sind dann maßgebend.

 

Dies gilt in besonderm Maße für das Schreiben Leichter Sprache. Um es neudeutsch zu sagen: es ist alles eine Frage des Storytellings. Die Story in Leichter Sprache kann die gleiche sein wie die in Normsprache. Aber häufig empfiehlt sich eine eigene erzählerische Herangehensweise. DerText muss einen unverstellten naiven Zugang zum Thema finden.

 

Leichte Sprache ist ein Kompromiss. Sie wendet sich an Ausländer und an Menschen mit eingeschränkter Intelligenz. Mal werden sie unterfordert, in der Regel sollten sie leicht überfordert werden. Es reicht nicht aus, schwere Begriffe durch einfache zu ersetzen. Sie müssen eventuell umschrieben und erklärt werden. Seltene Begriffe müssen durch gebräuchliche ersetzt werden: oft statt häufig, pünktlich statt rechtzeitig. Die Grammatik muss einfach sein. Hauptsätze brauchen keine Nebensätze.

 

Das ist kein Geheimwissen. Die Grundregeln für gutes Schreiben sind bekannt. Sie gelten im Grundsatz auch für das Verfassen von Texten in leichter Sprache. Nur lehrt die Erfahrung, dass nichts so zäh ist, wie das Festhalten an Nominalkonstruktionen, Passivsätzen und Verschachtelungen.

 

Diese zeitweilige Erstarrung wurde bisher weder ausreichend bedacht, noch wurden Voraussetzungen für eine Regelung der Textgestaltung verbindlich oder gar gesetzlich geregelt. Verstanden? Ja? Geht doch.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0