Deutsche Sprache, Leichte Sprache

Ab 2018 müssen sich Behörden in Leichter Sprache ausdrücken. Aber was ist leicht?

„Mutti gut"*, erklärte mir die Altenpflegerin, wenn sie meine Mutter versorgt hatte. Ich ging dann ins Zimmer und fand meine Mutter frisch gewaschen, gekämmt, die Hände auf der Decke liegend. Ist „Mutti gut“ noch schlechtes oder schon Leichtes Deutsch? Eine schwere Frage, leichter fällt das Urteil über einen Satz, der Einwanderern erklären soll, warum sie (kein) Recht auf einen Sprachkurs haben: „Zugangsberechtigt sind Personen mit gesicherter Bleibeperspektive (Aufenthaltserlaubnis) und/oder einer vom Bundesamt ausgestellten Zulassung.“ Weder gut noch leicht, würde ich sagen.

 

 

Man spricht wie man denkt. Wenn das wahr ist, wird in Deutschland falsch gedacht. Wenn Deutsche schreiben, fallen sie in den Amtston der Bismarck-Ära. Das scheint sich genetisch zu vererben. Substantivierung, Passivkonstruktionen, ellenlange Nebensätze und komplizierte Einschübe sind klassische Merkmale dieser Art zu denken und zu schreiben.

 

 

Diese Sprache kennt und benennt keine Akteure: Erklärungen werden abgegeben, Entscheidungen getroffen, Fahrtkosten übernommen. Wer sich klar ausdrückt, läuft Gefahr anzuecken. Wer will das schon? Je weniger Klarheit man anstrebt, desto mehr Worte macht man. Ins verständliche Deutsche zu übersetzen, bedeutet dann, Ross und Reiter zu nennen, Sätze zu kürzen, einen Roten Faden zu finden und das handelnde Subjekt erkennbar zu machen.

 

 

„Ich habe Ihre Mutter gewaschen und eingecremt. Sie sollte bald umgelagert werden. Gerade hat sie auch einen Viertel Becher Wasser getrunken“, teilte mir ein Altenpfleger mit. Da wurde mir bewusst, wie wichtig eine klare Sprache ist. Und wie leicht sie zu formulieren ist, wenn man klar denkt. Ist das dann Leichte Sprache? Dem Regelbuch entsprechend nicht, wohl aber, wenn Verstanden-werden-wollen der Maßstab ist. 

 

 

*Warum dieses Beispiel aus der Altenpflege? Weil ich ursprünglich über die Frage schreiben wollte, ob Leichtes Deutsch in sozialen Berufen eine ausreichende Qualifikation ist. Die Frage erledigt sich, finde ich.

 

SCHREIBTISCHLEREI – MÖBELBAU UND PUBLIC RELATIONS

 

Stefan Moes     Schreibtischler     www.moebel-und-texte.de

 

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