G 20 in Hamburg: Mythos von der Macht der Straße

Oder: Was ist das Abbrennen eines Autos gegen die Weigerung, eines zu kaufen?

„Fest steht jedenfalls, dass die Pazifisten es sich zu einfach machen.
Ich glaube nicht, dass echte Veränderungen ohne Gewalt möglich sind.

Das ist Fakt, ob es uns nun gefällt oder nicht. Die Geburtsstunde der
Gesellschaft, in der wir leben, ist die Französische Revolution.
Die war ziemlich gewaltig“, sagt der Schweizer Anwalt Bernard Rambert.
Ist sie nicht schon gewaltig lange her? Ich jedenfalls glaube nur Fakten.

 

 

Das Abbrennen von Autos sei ein Klacks gegen das Ertrinken lassen von Menschen im Mittelmeer, sagt ein Hamburger Rechtsanwalt. Recht hat er. Sachbeschädigung ist etwas anderes als die gewaltsame Verteidigung von Privilegien. Aber: Nicht mal ein Eierdieb kann sich erfolgreich auf den VW-Vorstand berufen. Selbst wenn er von Herrn Beuth vertreten würde.

 

Die anderen sind schlimmer. Was für eine armselige Ausrede. Wer Autos anzündet, mitten in der Stadt, hat nichts begriffen. Nimmt hin, dass Gewalt gegen Sachen eskaliert. Der Staat und seine militanten Gegner sind sich ähnlicher als sie uns vormachen.    

 

Jetzt herrscht Genugtuung darüber, die Bilder des Gipfels bestimmt zu haben. Aber was für Bilder hätte man erzeugen können. Hochgerüstete Polizisten, zu Bürgerkriegskämpfern ausgerüstet, hätten friedlichen Demonstranten gegenübergestanden, tanzenden Männern und Frauen, lachenden Kindern, entspannten Menschen. Der Staat als Gewaltapparat, der sich als Feind seiner Bürger inszeniert und nicht nur inszeniert. Diese Bilder hätten die Staatsmacht entlarvt. Und um Bilder, um Symbolik geht es hier.

 

Was erreicht ein „riot“, in dem Polizisten verletzt, Läden geplündert und angezündet werden, Autos brennen? Was erreicht eine Demonstration mit vielen tausend friedlichen Demonstranten?

 

Nichts Wesentliches. So lange sich nicht in Betrieben, in den Verwaltungen und im Militär etwas bewegt. Auf der Straße kann weder Gewalt noch Gewaltlosigkeit siegen.

 

Leider ist die Tradition des Gewaltfreien Widerstands fast vergessen. Die Erben der Gewaltfreien Aktion sitzen im Hamburgischen Senat und halten Pfefferspray und Wasserwerfer für Argumente. Jetzt haben die Chaoten das Wort, auf der Straße und auf der Regierungsbank.

 

Wenn die Gewalttäter nach dem „riot“ am Montag wieder brav zur Arbeit gehen, bringen sie damit auch die Hoffnung zum Ausdruck, dass ihre Aktion nichts verändert hat.

 

Ach ja. Die G-20-Politiker von Merkel bis Trump waren sich in einem einig. Sie rüsten auf für ihre Kriege. Vielleicht bald schon in diesem Theater. Diese Nachricht geht unter. Medien und Bürger halten sich mal wieder an die Eierdiebe.

 

Schreibtischlerei     Stefan Moes     moes@hamburg.de     www.moebel-und-texte.de

 

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