Darf es ein bisschen mehr sein?

Als Kunde beim Facharzt

Alle drei Wochen schabt und fräst mir meine Fußpflegerin die Schwielen von den Füßen. Sie bilden sich, weil ich als Parkinsonkranker sozusagen unrund laufe. 26 Euro kostet jeder Termin. Hätte ich Diabetes, übernähme die Krankenkasse, in die ich noch einzahle, die Kosten. Um solche Ungereimtheiten soll es hier nicht gehen.

 

Die Fußpflegerin glaubte eine Veränderung der Zehenknochen bemerkt zu haben. Das sei eventuell ein Symptom meiner Erkrankung. Eine Bekannte empfahl mir eine gute Orthopädin. Nicht so eine Ärztin, die nur auf ihren Bildschirm gucke. Genau das macht sie dann aber. Vorerkrankungen, Sport? Nein. Arbeiten Sie noch? Ja. Dann sieht sie sich den Fuß doch noch an.

 

Hier soll es nicht darum gehen, dass Ärzte gerade noch das überprüfen, was man ihnen mitteilt. Ich hätte es passend gefunden, zum Beispiel ein paar Schritte gehen zu müssen. Aber es hätte mich überrascht. Sechs Jahre lang lief ich von Facharzt zu Facharzt mit unklaren Symptomen, bis einer Parkinson diagnostizierte. Alle anderen hatten nur die unmittelbaren Beschwerden untersucht. Eine Verschwendung von Ressourcen auf Kosten der Patienten.

 

Mit Parkinson hätten meine Beschwerden nichts zu tun, konstatierte die Medizinerin. Ich wurde den Eindruck nicht los, sie wolle mir klarmachen, eine solche Vermutung stünde einer Fußpflegerin nicht zu. Die Orthopädin empfahl Einlagen. Ich schob meinen Verdacht nicht gleich zur Seite. „Wir können auch eine Röntgenaufnahme machen“, sagte die Ärztin leicht genervt. Das bringe aber nichts. Warum sie die Maßnahme dann anbiete, fragte ich. Der Hintergrund der Antwort wurde mir erst zu Hause bewusst. „Viele Patienten wünschen eine Röntgenaufnahme.“

 

Die Ärztin verriet ihren hippokratischen Eid. Sie hätte mich röntgen lassen (und mich der Strahlenbelastung ausgesetzt), um mich ruhig zu stellen. Der Kunde ist König, er bekommt was er will. Der Arzt als Dienstleister: willkommen in der Gesundheitswirtschaft.